{"id":10579,"date":"2026-03-25T10:42:00","date_gmt":"2026-03-25T09:42:00","guid":{"rendered":"https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/?p=10579"},"modified":"2026-03-24T12:55:39","modified_gmt":"2026-03-24T11:55:39","slug":"ernst-barlach-bildhauer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/2026\/03\/25\/ernst-barlach-bildhauer\/","title":{"rendered":"Ernst Barlach: Bildhauer"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Im Umfeld unserer M\u00f6ckernkiez-Genossenschaft lebten in fr\u00fcheren Zeiten namhafte Pers\u00f6nlichkeiten, an die erinnert werden sollte. Zu ihnen geh\u00f6rt der K\u00fcnstler Ernst Barlach.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vision\u00e4rer Bildhauer des 20. Jahrhunderts<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Er f\u00fchrte ein rastloses Leben, der Bildhauer, Graphiker, Karikaturist und Dramatiker Ernst Barlach. Geboren am 2. Januar 1870 im schleswig-holsteinischen Wedel, f\u00fchrte ihn sein k\u00fcnstlerisches Schaffen \u00fcber Hamburg, Dresden, Paris, Russland, die Ukraine, die Toskana und die Niederlande ins mecklenburgische G\u00fcstrow, seine Wahlheimat in den sp\u00e4ten Lebensjahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch in Berlin hinterlie\u00df Ernst Barlach seine Spuren. 1899\/1900 wohnte er in der Yorckstra\u00dfe 11. Zeitweilig war er Mitglied der Berliner Secession, einer deutschen K\u00fcnstlergruppe, die sich als Gegenpol zum damals dominierenden akademischen Kunstbetrieb verstand. Barlachs k\u00fcnstlerisches Markenzeichen bestand darin, \u201edas \u00c4u\u00dfere, d.h. den K\u00f6rper seiner Figuren, auf das N\u00f6tigste zu reduzieren, um in ihren Gesichtern und H\u00e4nden seine innere Verfassung darzustellen\u201c, so nachzulesen im seit 1961 bestehenden Ernst Barlach Haus in Hamburg.<\/p>\n\n\n\n<p>Sein wichtigster F\u00f6rderer war in fr\u00fchen Jahren der j\u00fcdische Kunsth\u00e4ndler und Verleger Paul Cassirer. Die Verleihung des Kleistpreises 1924 f\u00fcr sein dramatisches Werk machte Barlach dann landesweit bekannt, sodass es an Auftr\u00e4gen in den Folgejahren nicht mangelte: Magdeburg, Kiel, Stralsund oder L\u00fcbeck beauftragten ihn, plastische Antikriegs-Denkm\u00e4ler anzufertigen, von denen Barlach aber einige wegen lautstarker \u00f6ffentlicher Kritik rechter Kreise nicht realisieren konnte. \u201eIn seinen Skulpturen und Grafiken, die oft von Entfremdung, Schmerz und Verzweiflung erz\u00e4hlen, stellte er die brutalen Auswirkungen des Krieges jenseits von patriotischer Verherrlichung oder Ideologie dar.\u201c (Quelle: Sammlung Deilmann)<\/p>\n\n\n\n<p>1936 wurden Barlachs Werke, wie auch jene von K\u00e4the Kollwitz, in der Jubil\u00e4umsausstellung der Preu\u00dfischen Akademie der K\u00fcnste beschlagnahmt. 1937 erlie\u00dfen die Nationalsozialisten f\u00fcr ihn ein Ausstellungsverbot und behielten 371 seiner Werke ein, darunter auch seine 1927 geschaffene Skulptur <em>Der Schwebende<\/em> aus dem G\u00fcstrower Dom (dort befindet sich heute eine Nachbildung). Andere Objekte wurden in der M\u00fcnchner Ausstellung \u201eEntartete Kunst\u201c vorgef\u00fchrt. Barlachs Theaterst\u00fccke wurden an deutschen B\u00fchnen verboten. Resignierend notierte Barlach dazu: &#8222;Zum Arbeiten werde ich auf absehbare Zeit nicht kommen, ins Ausland gehe ich nicht, im Vaterlande mu\u00df ich mich wie ein Emigrant f\u00fchlen &#8211; und zwar schlechter als ein wirklicher, weil alle W\u00f6lfe gegen mich und hinter mir heulen. Dabei soll man und mu\u00df sich vor Verbitterung und derlei unproduktiven Einstellungen bewahren.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Zu den gr\u00f6\u00dften Verehrern der Kunst Barlachs geh\u00f6rte der fr\u00fchere Bundeskanzler Helmut Schmidt. Im Rahmen eines deutsch-deutschen Gipfeltreffens mit Erich Honecker besuchte Schmidt 1981 G\u00fcstrow. Die Barlach-Gedenkst\u00e4tte und der Dom zu G\u00fcstrow standen auf dem Programm. Die DDR hoffte auf die Anerkennung ihres Staates durch die Bundesrepublik und wollte sich seinerzeit f\u00fcr diesen Zweck \u201eweltoffen\u201c pr\u00e4sentieren. Im Verborgenen allerdings sorgte das Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit daf\u00fcr, dass 644 in G\u00fcstrow lebende regimekritische Personen durch Verhaftungen aus dem Verkehr gezogen wurden. Die Bewohner wurden daran gehindert, w\u00e4hrend des Besuch Schmidts ihr Haus zu verlassen. Telefonleitungen wurden gekappt, alle Zufahrtsstra\u00dfen nach G\u00fcstrow hermetisch abgeriegelt. \u201eAu\u00dferdem werden Jubelkr\u00e4fte bestellt, die auf den linken B\u00fcrgersteigen winken sollen. Links, weil auf dieser Seite Honecker in der Staatskarosse sitzt und Schmidt nicht bejubelt werden soll.\u201c (MDR-Fernsehdokumentation vom 9. August 2019)<\/p>\n\n\n\n<p>Auf keinen Fall sollten sich Jubelszenen wiederholen, wie sie sich 1970 in Erfurt abspielten, als tausende DDR-B\u00fcrger mit dem Sprechchor \u201eWilly Brandt ans Fenster!\u201c ihre Sympathie f\u00fcr den Bundeskanzler ausdr\u00fcckten. Honecker bedankte sich nach Schmidts Abreise in einer Botschaft an die Staatssicherheit: \u201eEs ist Euch gelungen, G\u00fcstrow nicht zu einem zweiten Erfurt werden zu lassen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>In seiner1968 erschienenen Novelle \u201eBarlach in G\u00fcstrow\u201c zeichnet der regimekritische DDR-Schriftsteller <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Franz_F\u00fchmann\">Franz F\u00fchmann<\/a> (1922-1984) ein differenziertes Portr\u00e4t des K\u00fcnstlers. Er erz\u00e4hlt fiktiv von der Seelennot Barlachs, der als ehemals patriotisch-v\u00f6lkischer Bef\u00fcrworter des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Erster_Weltkrieg\">Ersten Weltkriegs<\/a> nun an seiner Heimat und am Wesen der Welt verzweifelt. Damit dr\u00fcckte F\u00fchmann zugleich seine eigenen Gedanken \u00fcber die Zust\u00e4nde in der DDR aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Ernst Barlach starb am 24. Oktober 1938 in Rostock. Unter den Trauerg\u00e4sten in seinem G\u00fcstrower Atelier waren u. a. die K\u00fcnstler Georg Kolbe, K\u00e4the Kollwitz und Karl Schmitt-Rottluff sowie sein langj\u00e4hriger F\u00f6rderer Hermann F. Reemtsma. Barlachs Beisetzung fand in Ratzeburg statt.<\/p>\n\n\n\n<p>(Exponate aus Barlachs \u0152uvre sind noch bis zum 3.5.2026 in der Ausstellung \u201eK\u00e4the Kollwitz und das Theater\u201c im K\u00e4the-Kollwitz-Museum Berlin zu sehen.)<\/p>\n\n\n\n<p>Text und Foto: Norbert Peters<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><br><br><\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"457\" src=\"https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Barlach-1024x457.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10581\" srcset=\"https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Barlach-1024x457.jpg 1024w, https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Barlach-300x134.jpg 300w, https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Barlach-768x343.jpg 768w, https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Barlach.jpg 1093w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Umfeld unserer M\u00f6ckernkiez-Genossenschaft lebten in fr\u00fcheren Zeiten namhafte Pers\u00f6nlichkeiten, an die erinnert werden sollte. 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