{"id":10712,"date":"2026-04-11T17:42:55","date_gmt":"2026-04-11T15:42:55","guid":{"rendered":"https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/?p=10712"},"modified":"2026-04-11T17:43:13","modified_gmt":"2026-04-11T15:43:13","slug":"die-akzisemauer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/2026\/04\/11\/die-akzisemauer\/","title":{"rendered":"Die Akzisemauer"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die (erste) Berliner Mauer<\/strong>. <\/h3>\n\n\n\n<p>Im Umfeld unserer M\u00f6ckernkiez-Genossenschaft lebten in fr\u00fcheren Zeiten nicht nur namhafte Pers\u00f6nlichkeiten, an die erinnert werden sollte. Auch historisch bedeutsame Orte sind hier zu finden, zum Beispiel in der Stresemannstra\u00dfe.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur wenige Schritte vom Portikus des ehemals pr\u00e4chtigen Anhalter Bahnhofs entfernt, dessen Geschichte als Exil- und Deportationsbahnhof unsere AG \u201eErinnerungsort Gleis 1\u201c seit vielen Jahren erforscht, befindet sich ein \u00dcberbleibsel der historischen Akzisemauer. Diese umschloss ab Beginn des 18. Jahrhunderts ganz Berlin. Ein Teil davon ist in der Stresemannstra\u00dfe auf H\u00f6he des Hauses Nr. 64 zu sehen. Auf der einen Seite ist der Mauerrest von Rankpflanzen \u00fcberwuchert, auf der anderen von Graffiti \u00fcbers\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Ring um Berlin wurde die Mauer unter dem preu\u00dfischen K\u00f6nig Friedrich Wilhelm I. (\u201eSoldatenk\u00f6nig\u201c) von 1734 bis 1737 errichtet und eineinhalb Jahrhunderte sp\u00e4ter fast vollst\u00e4ndig wieder entfernt. Mehr als die H\u00e4lfte ihrer rund 15 Kilometer verlief durch den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Die Akzisemauer hatte keine milit\u00e4rische Bedeutung, sondern diente haupts\u00e4chlich der \u00dcberwachung des Handels und der Erhebung von Zoll (Akzise) auf eingef\u00fchrte Waren. Die Mauer war bis zu 4,20 Meter hoch. Es gab fast 20 Tore, darunter drei Wassertore zur Kontrolle der Schiffseinfuhren. Die Namen mancher Tore sind bis heute im Berliner Stadtplan verzeichnet, darunter das Brandenburger Tor, das Schlesische oder das Cottbusser Tor. Das bekannteste Wassertor befand sich an der heutigen Oberbaumbr\u00fccke.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jude\">Juden<\/a> durften die Stadt im Norden nur durch das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rosenthaler_Platz\">Rosenthaler Tor<\/a>, im S\u00fcden durch das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hallesches_Tor\">Hallesche Tor<\/a> betreten und wurden dort registriert. Die Stadtmauer sollte aus- und einreisende Personen kontrollieren und hatte auch eine soziale Kontrollfunktion: Wer nach Herkunft oder Erscheinung nicht ins Stadtbild passte, musste bei Einbruch der Dunkelheit die Stadt verlassen. Viele Ank\u00f6mmlinge siedelten sich daher dauerhaft jenseits der Stadtmauer an, wo manche Elendsquartiere entstanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Mauer sollte zudem Soldaten am Desertieren hindern. Unzufriedenheit \u00fcber mangelhafte Verpflegung und Ausstattung, Willk\u00fcr von Vorgesetzten sowie die allt\u00e4gliche Z\u00fcchtigung mit dem Stock weckten die Bereitschaft zur Desertion aus der preu\u00dfischen Armee. W\u00e4hrend der Regentschaft Friedrich Wilhelms I. verlie\u00dfen trotz drohender Todesstrafe fast 20 Prozent der preu\u00dfischen Soldaten heimlich ihre Einheiten. \u201eBegnadigungen wurden allerdings h\u00e4ufig gew\u00e4hrt, die Todesstrafe war dann das h\u00f6chste Strafma\u00df. Mitunter mussten mehrere gefasste Deserteure durch (\u2026) das Los einen der ihrigen bestimmen, der dann hingerichtet wurde. Stark verbreitet waren im 18. Jahrhundert die \u00b4Generalpardons`, befristete Amnestien, die es Deserteuren erm\u00f6glichen sollten, straffrei in ihre Regimenter zur\u00fcckzukehren.\u201c (Martin C\u00fcppers, Desertion in der preu\u00dfischen Armee des 18. Jahrhunderts, M\u00fcnchen 1999)<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zollgrenze bestand \u00fcberwiegend aus Holz<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Palisade\">palisaden<\/a> und war nur zum Teil gemauert. Mit dem rapiden Wachstum Berlins verloren die Akzisemauer und die Tore im 19. Jahrhundert immer mehr an Bedeutung. Als einziges fr\u00fcheres Akzisetor ist das Brandenburger Tor erhalten geblieben und wurde zum Wahrzeichen der Stadt. Die anderen Tore wurden weit vor der Stadtgrenze an den Zufahrtsstra\u00dfen zu Berlin durch Akzise- oder Steuerh\u00e4user ersetzt. Nach Abbruch der Mauerreste wurden die Steine versteigert oder f\u00fcr andere Bauwerke verwendet. Auch die ersten Bahnh\u00f6fe der im 19.&nbsp;Jahrhundert entstehenden Eisenbahn wurden meist au\u00dferhalb der Stadtmauer errichtet. Es handelte sich um <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kopfbahnhof\">Kopfbahnh\u00f6fe<\/a>, die den Endbahnhof einer neu erbauten Eisenbahnlinie bildeten. Zu ihnen geh\u00f6rte seit 1841 auch der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Berlin_Anhalter_Bahnhof\">Anhalter Bahnhof<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass heute Reste der Berliner Akzisemauer von 1732 zu sehen sind (s. Foto), ist vor allem den Bem\u00fchungen des Architekten und Denkmalsch\u00fctzers Dr. Helmut Maier zu verdanken. Dieser erhielt 1986 vom Bezirk Kreuzberg auch den Auftrag zu einer ersten Instandsetzung des Portikus des Anhalter Bahnhofs. Bauteile und Schmuckelemente dieses Bahnhofs sind heute im Deutschen Technikmuseum am Rand des Gleisdreieckparks zu entdecken. Bei dem Relikt der Akzisemauer in der Stresemannstra\u00dfe handelt es sich um einen Nachbau, der auf die Grundmauer des Originals gesetzt wurde. 2021 widmete das Friedrichshain-Kreuzberg Museum (FHXB) dem Thema Akzisemauer eine Ausstellung.<\/p>\n\n\n\n<p>Text und Foto: Norbert Peters<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die (erste) Berliner Mauer. Im Umfeld unserer M\u00f6ckernkiez-Genossenschaft lebten in fr\u00fcheren Zeiten nicht nur namhafte Pers\u00f6nlichkeiten, an die erinnert werden sollte. Auch historisch bedeutsame Orte sind hier zu finden, zum Beispiel in der Stresemannstra\u00dfe. 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