{"id":10792,"date":"2026-04-24T21:45:00","date_gmt":"2026-04-24T19:45:00","guid":{"rendered":"https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/?p=10792"},"modified":"2026-04-22T18:22:28","modified_gmt":"2026-04-22T16:22:28","slug":"befreiung-und-patriotische-gefuehle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/2026\/04\/24\/befreiung-und-patriotische-gefuehle\/","title":{"rendered":"Befreiung und patriotische Gef\u00fchle"},"content":{"rendered":"\n<p>Im Umfeld unserer M\u00f6ckernkiez-Genossenschaft lebten in fr\u00fcheren Zeiten namhafte Pers\u00f6nlichkeiten, an die erinnert werden sollte. Zu ihnen geh\u00f6ren zwei Angeh\u00f6rige der Familie Yorck zu Wartenburg.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Wie die parallel verlaufende Obentrautstra\u00dfe, nach einem General benannt, hat auch die Kreuzberger Wartenburgstra\u00dfe einen milit\u00e4rischen Bezug. Bei Wartenburg an der Elbe (heute eine Gemeinde in Sachsen-Anhalt) fand 1813 ein Gefecht statt gegen Napoleons Truppen, in dem diese von Preu\u00dfen und seinen Verb\u00fcndeten besiegt wurden<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"803\" height=\"771\" src=\"https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/grafik-2.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-10793\" style=\"width:313px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/grafik-2.png 803w, https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/grafik-2-300x288.png 300w, https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/grafik-2-768x737.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 803px) 100vw, 803px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Im Dezember 1812 hatte Johann David Ludwig Graf Yorck (sp\u00e4ter: von Wartenburg) ohne Einwilligung des preu\u00dfischen K\u00f6nigs Friedrich Wilhelm III. mit Russland die Konvention von Tauroggen abgeschlossen, einen Waffenstillstand zwischen dem preu\u00dfischen Hilfskorps f\u00fcr Napoleons Truppen und der russischen Armee. Diese Konvention gilt als das Fanal f\u00fcr die preu\u00dfische und sp\u00e4tere europ\u00e4ische Erhebung gegen Napoleon &#8211; die sogenannten Befreiungskriege. Nach mehreren gro\u00dfen Schlachten, u. a. an der Katzbach, bei M\u00f6ckern und der \u201eV\u00f6lkerschlacht\u201c bei Leipzig, war Napoleons milit\u00e4risches Schicksal besiegelt. Allein nach der Schlacht bei Leipzig waren \u00fcber 90.000 tote Soldaten zu beklagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit seinem eigenm\u00e4chtigen Ausscheren aus dem B\u00fcndnis mit dem franz\u00f6sischen Kaiser hatte Yorck (1759-1830) seinen Kopf riskiert. Der K\u00f6nig war zun\u00e4chst \u201eau\u00dfer sich vor Wut\u201c. Auf \u201eInsubordination\u201c und \u201eHochverrat\u201c eines Generals galt die Todesstrafe. Gegen\u00fcber dem K\u00f6nig rechtfertigte Yorck seinen Alleingang mit den Worten: \u201eJetzt oder nie ist der Moment, Freiheit, Unabh\u00e4ngigkeit und Gr\u00f6\u00dfe wiederzuerlangen.\u201c Bei seiner R\u00fcckkehr nach Berlin im Fr\u00fchjahr 1813 wurde Yorck von der Bev\u00f6lkerung mit frenetischem Jubel empfangen. Im Jahr darauf erhob der K\u00f6nig Yorck mit dem Namenszusatz \u201evon Wartenburg\u201c in den Grafenstand. 1868 erhielt ihm zu Ehren die Wartenburgstra\u00dfe den noch heute existierenden Namen. Auch die \u201evor unserer Haust\u00fcr\u201c verlaufende Yorckstra\u00dfe wurde nach Johann David Ludwig Yorck benannt.<\/p>\n\n\n\n<p>(Der \u201eYorckplatz\u201c vor dem Fahrradgesch\u00e4ft Ampler und dem italienischen Caf\u00e9 ist allerdings nur eine interne M\u00f6ckernkiez-Sprachsch\u00f6pfung, die sich in keinem Stra\u00dfenverzeichnis finden l\u00e4sst. Weil sich der Platz in unserem Besitz befindet, w\u00e4re es aussichtslos, beim Bezirksamt Kreuzberg eine von manchen im M\u00f6ckernkiez gew\u00fcnschte Umwidmung zu beantragen, um dem Platz eine weniger milit\u00e4rische Pr\u00e4gung zu geben.)<\/p>\n\n\n\n<p>Ein anderer ber\u00fchmter Spross der Familie war Peter Graf Yorck von Wartenburg (1904-1944), der Ur-Urenkel des Generalfeldmarschalls. Nach Abitur und Jura-Studium trat Yorck in den Staatsdienst ein. Trotz fachlicher Kompetenz kam er in seiner Laufbahn kaum voran, weil er sich weigerte, der NSDAP beizutreten. Ab Ende 1939 nahm er an den Gespr\u00e4chen des Kreisauer Kreises teil. Helmuth James Graf von Moltke hatte Peter von Yorck den Kontakt zu dieser Widerstandsgruppe vermittelt. Die Freunde entwarfen Pl\u00e4ne f\u00fcr ein demokratisches Nachkriegseuropa und beteiligten sich schlie\u00dflich am Umsturzversuch des 20. Juli 1944. Der Attent\u00e4ter Stauffenberg war Yorcks Vetter.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Verh\u00f6r nach seiner Verhaftung bekundete Yorck, die Verfolgung der Juden sowie die Praktiken deutscher Besatzung im Osten h\u00e4tten seine Widerstandsbereitschaft geweckt. Allerdings hatte er sich selbst ab 1942 im Wirtschaftsstab Ost an der wirtschaftlichen Ausbeutung der besetzten sowjetischen Gebiete beteiligt. Diese Gleichzeitigkeit von Verwicklung in das NS-System und bedingungslosem Widerstand ist, so der Journalist Bernd Ulrich, typisch f\u00fcr viele konservative Adlige im Widerstand, k\u00f6nne aber den Respekt f\u00fcr ihren Mut und ihre pers\u00f6nliche Entschlossenheit nicht schm\u00e4lern.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Abschiedsbrief aus der Todeszelle an seine Mutter bekundet Yorck seine patriotische Gesinnung: \u201eAm Ende eines an Liebe und Freundschaft \u00fcberreich gesegne\u00adten Lebens habe ich nur Dank gegen Gott und Demut unter Seinen Willen. Da\u00df ich Dir diesen Kummer bereite, ist mir ein sehr gro\u00dfer Schmerz (\u2026). Ich bitte Dich, mir das von ganzem Herzen zu vergeben. (\u2026) Es waren (&#8230;) meine vaterl\u00e4ndischen Gef\u00fchle, die Sorge um mein Deutschland (\u2026). Vielleicht kommt doch einmal die Zeit, wo man eine andere W\u00fcrdigung f\u00fcr un\u00adsere Haltung findet, wo man nicht als Lump, sondern als Mahnender und Patriot gewertet wird.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Von seiner Frau Marion verabschiedet er sich mit den Worten: \u201e(\u2026) sterbe ich den Tod f\u00fcrs Vaterland. Wenn der Anschein auch (\u2026) schmachvoll ist, \u2013 ich gehe aufrecht und ungebeugt diesen letzten Gang, und ich hoffe nur, da\u00df Du darin nicht Hochmut und Verblendung siehst.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Peter Graf Yorck von Wartenburg wurde nach dem Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 als \u201eVerschw\u00f6rer\u201c vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 8. August 1944 in der Hinrichtungsst\u00e4tte Pl\u00f6tzensee erh\u00e4ngt.<\/p>\n\n\n\n<p>Text und Foto: Norbert Peters<br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Umfeld unserer M\u00f6ckernkiez-Genossenschaft lebten in fr\u00fcheren Zeiten namhafte Pers\u00f6nlichkeiten, an die erinnert werden sollte. Zu ihnen geh\u00f6ren zwei Angeh\u00f6rige der Familie Yorck zu Wartenburg. Wie die parallel verlaufende Obentrautstra\u00dfe, nach einem General benannt, hat auch die Kreuzberger Wartenburgstra\u00dfe einen milit\u00e4rischen Bezug. 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