{"id":11430,"date":"2026-07-02T15:02:33","date_gmt":"2026-07-02T13:02:33","guid":{"rendered":"https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/?p=11430"},"modified":"2026-06-30T15:03:01","modified_gmt":"2026-06-30T13:03:01","slug":"marion-graefin-yorck-von-wartenburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/2026\/07\/02\/marion-graefin-yorck-von-wartenburg\/","title":{"rendered":"Marion Gr\u00e4fin Yorck von Wartenburg"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Umfeld unserer M\u00f6ckernkiez-Genossenschaft lebten in fr\u00fcheren Zeiten namhafte Pers\u00f6nlichkeiten, an die erinnert werden sollte. Zu ihnen geh\u00f6ren nicht nur der preu\u00dfische Generalfeldmarschall Johann David Ludwig Graf Yorck von Wartenburg und sein als Hitler-Verschw\u00f6rer hingerichteter Ur-Urenkel Peter, sondern auch dessen Ehefrau Marion Gr\u00e4fin Yorck von Wartenburg, die den Nazis furchtlos widerstanden.<br>Als Ellen-Marion Winter wurde die sp\u00e4tere Gr\u00e4fin am 14. Juni 1904 in Berlin geboren. Nach einem abgebrochenen Medizin-Studium wechselte sie zum Studium der Rechtswissenschaft, das sie 1929 mit ihrer Promotion abschloss. 1928 lernte sie auf einem schlesischen Gut Peter Graf Yorck von Wartenburg kennen, den sie 1930 heiratete. 1936 bezogen sie eine Wohnung in Berlin. Dort nahm Marion an den meisten Besprechungen des Kreisauer Kreises teil. Sie \u00fcberbrachte Nachrichten an andere Widerst\u00e4ndler, z. B. Julius Leber. Nach der Verhaftung ihres Mannes wurde sie festgenommen. Obwohl sie \u00fcber die Bestrebungen ihres Mannes informiert war, \u00fcberstand sie die dreimonatige \u201eSippenhaft\u201c und das Kriegsende. Danach holte sie ihr Rechtsreferendariat nach und arbeitete bis 1969 als Richterin, zun\u00e4chst in Ost-Berlin, danach im Westteil der Stadt. Ihre eigene Rolle im Widerstandskreis charakterisierte sie sp\u00e4ter mit den Worten, sie habe bei den Treffen der M\u00e4nner \u201eeine aktive Mith\u00f6rerrolle gespielt\u201c.<br>Ihre Haft und der Verlust ihres Ehemanns pr\u00e4gten ihr Leben nachhaltig. Jahrzehntelang hielt sie Kontakt zu den Witwen anderer hingerichteter Widerstandsk\u00e4mpfer und bewahrte deren Erbe und das ihres Mannes. Auch behielt sie den Familiennamen ihres Mannes trotz eines neuen Lebenspartners bei. Ihre Wertvorstellungen waren, ihrem Herkunftsmilieu entsprechend, religi\u00f6s-konservativ gepr\u00e4gt.<br>Nach dem Ende der NS-Diktatur setzte sie sich im Gesamtberliner Magistrat im Hauptausschuss \u201eOpfer des Faschismus\u201c f\u00fcr NS-Verfolgte sowie deren Hinterbliebene ein. Sie ging an die \u00d6ffentlichkeit und hielt Reden zum Gedenken an die Opfer. 1952 wurde sie &#8211; als erste Frau in Deutschland &#8211; Strafrichterin am Landgericht Berlin. Sie erwarb sich den Ruf einer \u00e4u\u00dferst strengen Juristin. Ihr Richteramt verstand sie als gesellschaftlichen Auftrag: \u201eBei jedem Urteilsspruch habe ich die Konsequenz bedacht, die dieser Spruch f\u00fcr das \u00f6ffentliche Leben haben k\u00f6nnte. (\u2026) Zu weich darf man nicht sein, das ist der falsche Weg.\u201c<br>Gesellschaftlichen Modernisierungstendenzen, Demokratisierung und Liberalisierung setzte sie antiliberalen Konservatismus entgegen. Opfer dieses gesellschaftlichen Stillstands waren unter anderem Homosexuelle, gegen die Marion von Yorck oft drakonische Urteile f\u00e4llte, allerdings in konziliantem Ton und ohne \u00dcberheblichkeit, wie man ihr bescheinigte. Da sie aber homosexuellen NS-Verfolgten und KZ-Insassen die Anerkennung als NS-Opfer verweigerte und ihren Anspruch auf materielle Wiedergutmachung ablehnte, titulierte man sie auch als \u201eRichterin Gnadenlos\u201c.<br>Beispielhaft ist ein Prozess aus dem Jahr 1950 um einen Ingenieur. Dieser war 1944 der Todesstrafe entgangen und hatte nach dem Krieg aus Angst vor Nachteilen seine Verfolgung als Homosexueller in der NS-Zeit verschwiegen. Damit, so die Position von Gr\u00e4fin Yorck, hatte er die Beh\u00f6rde get\u00e4uscht und zu Unrecht Wiedergutmachungszahlungen f\u00fcr seine KZ-Haft erhalten. Er musste f\u00fcr acht Monate ins Gef\u00e4ngnis. Manche Berufskollegen bezichtigten die Richterin in einem Fall aus dem Jahr 1955 sogar der Voreingenommenheit.<br>Am 13. April 2007 verstarb Marion Gr\u00e4fin Yorck von Wartenburg in Berlin im hohen Alter von 102 Jahren. Ihr Lebensmotto lautete: &#8222;Die Liebe ist die Erf\u00fcllung des Gesetzes&#8220;.<br>Norbert Peters<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Umfeld unserer M\u00f6ckernkiez-Genossenschaft lebten in fr\u00fcheren Zeiten namhafte Pers\u00f6nlichkeiten, an die erinnert werden sollte. 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