{"id":11643,"date":"2026-08-06T20:36:52","date_gmt":"2026-08-06T18:36:52","guid":{"rendered":"https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/?p=11643"},"modified":"2026-08-06T20:36:52","modified_gmt":"2026-08-06T18:36:52","slug":"anna-schepeler-lette","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/2026\/08\/06\/anna-schepeler-lette\/","title":{"rendered":"Anna Schepeler-Lette"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">\u201eTausende haben sich dankbar der edlen Frau erinnert\u201c<\/h3>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Im Umfeld unserer M\u00f6ckernkiez-Genossenschaft gibt es Orte und namhafte Pers\u00f6nlichkeiten, an die erinnert werden sollte. Zu ihnen geh\u00f6rt die engagierte Politikerin, Frauenrechtlerin und Schulgr\u00fcnderin Anna Schepeler-Lette.<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute schwer vorstellbar \u2013 noch Mitte des 19. Jahrhunderts hatten unverheiratete Frauen aus dem B\u00fcrgertum kaum M\u00f6glichkeiten, ihren Lebensunterhalt durch eigene Arbeit zu verdienen, allenfalls Lehrerinnen oder Gouvernanten war das m\u00f6glich. Daher gr\u00fcndete sich 1866 in Berlin der \u201eVerein zur F\u00f6rderung der Erwerbsf\u00e4higkeit des weiblichen Geschlechts\u201c und w\u00e4hlte <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wilhelm_Adolf_Lette\">Wilhelm Adolf Lette<\/a> zum Gr\u00fcndungsvorsitzenden. Der Verein setzte sich f\u00fcr die \u00d6ffnung weiterer Berufsfelder f\u00fcr Frauen ein und f\u00f6rderte Ausbildungsst\u00e4tten und Absatzm\u00f6glichkeiten f\u00fcr von Frauen hergestellte Produkte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schon 1874 wurde in der Zeitschrift \u201eGartenlaube\u201c die Geschichte des Lette-Vereins erstmals bilanziert. Man dr\u00fcckte seine Freude dar\u00fcber aus, dass mit der Vereinsgr\u00fcndung \u201ejenes beklagenswerte Los der unverheirateten M\u00e4dchen\u201c dadurch verbessert worden sei, dass man mehr Angebote f\u00fcr die M\u00e4dchen- und Frauenbildung erk\u00e4mpft habe. Gleichzeitig jedoch wurde die politische <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Frauenemanzipation\">Emanzipation<\/a> der Frauen \u201edankenswerterweise\u201c abgelehnt, da politische T\u00e4tigkeit von Frauen zu jener Zeit in Preu\u00dfen verboten war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem fr\u00fchen Tod des Vereinsvorsitzenden Lette \u00fcbernahm 1872 seine Tochter Anna Schepeler-Lette (1827-1897), \u201edie Erbin seiner Pflichttreue und seines unerm\u00fcdlichen aufopferungsvollen Wirkens f\u00fcr das Gemeinwohl\u201c, die Vereinsf\u00fchrung. \u201eIhrem klaren und praktischen Blick f\u00fcr die Bed\u00fcrfnisse und die Erschlie\u00dfung von Hilfsquellen verdankt der Verein sein ungeheures Wachstum und die gl\u00e4nzenden Erfolge seiner (\u2026) Handels-, Gewerbe-, Frauenarbeits-, Zeichen- und Modellierschulen (\u2026)\u201c, r\u00fchmt die \u201eGartenlaube\u201c das Wirken der Vereinsleiterin. Der Verein stand unter dem Protektorat der Kronprinzessin <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Victoria_von_Gro\u00dfbritannien_und_Irland_(1840\u20131901)\">Victoria von Preu\u00dfen<\/a>, wollte aber bewusst ohne staatliche Hilfsgelder auskommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter der Leitung von Anna Schepeler-Lette wurde der Verein zum Schultr\u00e4ger und gr\u00fcndete 1872 die Handels- und Gewerbeschule mit Sitz in der heutigen Stresemannstra\u00dfe 32, wo die Vereinsleiterin zeitweise wohnte und arbeitete. Dort wurde im Juli 2026 eine Gedenktafel f\u00fcr diese Vork\u00e4mpferin f\u00fcr berufliche Frauenrechte feierlich enth\u00fcllt. Die Feier wurde gestaltet vom Aktiven Museum <strong>(<\/strong><strong>Koordinierungsstelle Historische Stadtmarkierungen) und der Senatsverwaltung f\u00fcr Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt. Finanziert wurde auch diese Gedenktafel von der GASAG AG. Die Laudatio auf die zu Ehrende hielt die Direktorin der Berliner Lette-Stiftung.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Zentrum der Aktivit\u00e4ten des Vereins lag urspr\u00fcnglich am Viktoria-Luise-Park in Sch\u00f6neberg &#8211; bis 1920 noch nicht zu Berlin geh\u00f6rig -, wo 1902 ein Schulbau f\u00fcr eine Frauenschule entstand, um den sich sechs H\u00f6fe gruppierten. In den privaten Schulen des Lette-Vereins unterrichteten trotz des in Preu\u00dfen geltenden <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lehrerinnenz\u00f6libat\">Lehrerinnenz\u00f6libats<\/a> verheiratete Frauen. Erst seit 1982 sind alle Schulen des Lette-Vereins koedukativ. Der Verein ist heute eine <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stiftung_des_\u00f6ffentlichen_Rechts_(Deutschland)\">Stiftung des \u00f6ffentlichen Rechts<\/a> f\u00fcr schulische Berufsausbildungen sowie Tr\u00e4ger von drei <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Berufsfachschule_in_Deutschland\">Berufsfachschulen<\/a>, einer Fachschule und drei Schulen des Gesundheitswesens in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Berlin\">Berlin<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1933 leistete der Verein keinerlei Widerstand gegen das NS-Regime und passte sich den ideologischen Vorgaben des Nationalsozialismus an. J\u00fcdisches Lehrpersonal und j\u00fcdische Sch\u00fclerinnen wurden entlassen. Die angebliche Notwendigkeit von Zwangssterilisation z. B. geh\u00f6rte zu den verbindlichen Unterrichtsinhalten. Ein \u00fcberzeugter Nationalsozialist und sp\u00e4terer Oberb\u00fcrgermeister wurde zum \u201eVereinsf\u00fchrer\u201c bestimmt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die bereits 1874 \u00fcber den Lette-Verein berichtende \u201eGartenlaube\u201c wurde in der NS-Zeit gleichgeschaltet. \u201eDie Gartenlaube&nbsp;\u2013 Illustriertes Familienblatt\u201c gilt als Vorl\u00e4ufer moderner Zeitschriften und wurde zum ersten deutschen Massenblatt. Das 1853 in Leipzig gegr\u00fcndete Presseorgan, mit einer Auflage von 5.000 Exemplaren gestartet, entwickelte sich schnell zur beliebtesten Familienzeitschrift im deutschen Sprachraum und wuchs bis 1875 zu einer Auflagenh\u00f6he von \u00fcber 380.000 an. Die Zeitschrift lag auch in zahlreichen Bibliotheken und Caf\u00e9s aus. Sie ist noch heute eine f\u00fcr viele historische Themenfelder unverzichtbare Quelle zur deutschen Kulturgeschichte, auch mit ihren ver\u00f6ffentlichten Fortsetzungsromanen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">War die \u201eGartenlaube\u201c in ihrer Gr\u00fcndungsphase noch sozialkritisch eingestellt und dem Geist der Revolution von 1848 verhaftet, zudem mit einer oft positiven Darstellung j\u00fcdischen Lebens, wurde sie unter Bismarck zum national-konservativen Sprachrohr in Preu\u00dfen-Deutschland. Politische oder religi\u00f6se Themen waren tabu. 1904 wurde die \u201eGartenlaube\u201c dem Zeitungsverlag des rechtsnationalen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/August_Scherl\">August Scherl<\/a> eingegliedert und geh\u00f6rte bald danach zum Medienimperium von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Alfred_Hugenberg\">Alfred Hugenberg<\/a>, einem der Wegbereiter <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Adolf_Hitler\">Adolf Hitlers<\/a>. Der gr\u00f6\u00dfte Teil des Pressekonzerns wurde 1933 von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nationalsozialismus\">NS<\/a>-Verlagen \u00fcbernommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anna Schepeler-Lette, deren Ehe kinderlos blieb, zog nach dem Tod ihres Ehemanns 1861 zu ihrem Vater nach Berlin und widmete sich fortan voll und ganz ihrer sozial-p\u00e4dagogischen Reformarbeit: \u201eTausende verdanken (\u2026) dem Lette-Verein ihre Erwerbsf\u00e4higkeit und b\u00fcrgerliche Existenz, sie alle haben sich (\u2026) dankbar der edlen Frau erinnert, welche (\u2026) die Vereinsleitung \u00fcbernahm und unter zahllosen pers\u00f6nlichen Opfern bis auf den heutigen Tag in so ausgezeichneter Weise f\u00fchrte\u201c, r\u00fchmt die \u201eGartenlaube\u201c ihre Verdienste. Als Vereinsleiterin pflegte sie gute Kontakte zur deutschen Frauenbewegung, sorgte f\u00fcr die Einrichtung von Gymnasialkursen f\u00fcr Frauen in Berlin und nahm an internationalen Frauenkongressen teil. Nicht zuletzt bahnte sie in Preu\u00dfen der Ausbildung von Lehrerinnen den Weg.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es wird berichtet, dass Anna Schepeler-Lette am 17. September 1897 w\u00e4hrend einer Pr\u00fcfung, die sie leitete, gestorben sei. Selbst wenn es sich dabei um eine Legende handeln sollte \u2013 treffender h\u00e4tte man ihr nimmerm\u00fcdes Eintreten f\u00fcr Frauenrechte im Ausbildungswesen nicht charakterisieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Text und Foto: Norbert Peters<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eTausende haben sich dankbar der edlen Frau erinnert\u201c Im Umfeld unserer M\u00f6ckernkiez-Genossenschaft gibt es Orte und namhafte Pers\u00f6nlichkeiten, an die erinnert werden sollte. Zu ihnen geh\u00f6rt die engagierte Politikerin, Frauenrechtlerin und Schulgr\u00fcnderin Anna Schepeler-Lette. Heute schwer vorstellbar \u2013 noch Mitte des 19. 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