{"id":12171,"date":"2026-09-26T11:26:00","date_gmt":"2026-09-26T09:26:00","guid":{"rendered":"https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/?p=12171"},"modified":"2026-09-24T19:28:39","modified_gmt":"2026-09-24T17:28:39","slug":"hausverbot-fuer-hitler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/2026\/09\/26\/hausverbot-fuer-hitler\/","title":{"rendered":"Hausverbot f\u00fcr Hitler?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Mann, der Hitler Hausverbot erteilte &#8211; oder auch nicht? <br>Im Umfeld unserer M\u00f6ckernkiez-Genossenschaft gibt es Orte und namhafte Pers\u00f6nlichkeiten, an die erinnert werden sollte. Zu ihnen geh\u00f6rt der Gesch\u00e4ftsmann Curt Elschner, der am Anhalter Bahnhof das Luxushotel Excelsior f\u00fchrte. <br>Curt Elschner (1876-1963) war ein deutscher Gastronom und Hotelier, der in verschiedenen St\u00e4dten mit gro\u00dfem Erfolg Hotels und Restaurants betrieb. Elschner trug den Ehrentitel Geheimer Kommerzienrat und erhielt die Ehrenb\u00fcrgerw\u00fcrde mehrerer St\u00e4dte, darunter Eisenach und W\u00fcrzburg. Zum Dank daf\u00fcr f\u00f6rderte er verschiedene soziale Einrichtungen und stiftete gro\u00dfz\u00fcgige Gem\u00e4ldesammlungen.<br>Elschner stammte aus Th\u00fcringen. Nach Kellnerlehre und Milit\u00e4rdienst nahm er mehrere Anstellungen in der Gastronomie und Hotellerie an, u. a. in Hamburg, G\u00f6ttingen, Frankfurt\/M. und D\u00fcsseldorf. 1903 wurde er in Sachsen erstmals Hotel-Eigent\u00fcmer. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Elschner Gesch\u00e4ftspartner des Gro\u00dfindustriellen Hugo Stinnes und erwarb in dessen Auftrag u. a. das Berliner Luxushotel \u201eEsplanade\u201c.<br>1919 bot sich ihm die Gelegenheit, das Hotel Excelsior gegen\u00fcber dem Anhalter Bahnhof in Berlin zu \u00fcbernehmen, das er in den Folgejahren aufw\u00e4ndig ausbaute. Das von 1905 bis 1907 errichtete Geb\u00e4ude in der heutigen Stresemannstra\u00dfe (vorher: K\u00f6niggr\u00e4tzer-, in der NS-Zeit Saarlandstra\u00dfe) mit zun\u00e4chst 200 Zimmern wurde in den 20er Jahren das gr\u00f6\u00dfte Hotel der Stadt und des Kontinents mit eigenem Kraft- und Wasserwerk sowie einer Gasheizanlage. Nach und nach kamen das noble Excelsiorbad, ein Bierkeller mit 1500 Pl\u00e4tzen sowie ein Fu\u00dfg\u00e4ngertunnel zum Anhalter Bahnhof mit Fahrst\u00fchlen und Treppen direkt zum Bahnsteig hinzu. (F\u00fcr die Genehmigung des Tunnelbaus soll Elschner Ger\u00fcchten zufolge gro\u00dfz\u00fcgig \u201egespendet\u201c haben.) Dienstleistungen wie der Erwerb von Flug-, Bahn- und Schiffskarten geh\u00f6rten zum Hotelstandard. Die beliebte Jazz-Kapelle musste auf Druck der Nationalsozialisten allerdings abgeschafft werden. Elschners bekannte Vorliebe f\u00fcr die demokratische Weimarer Republik und seine unternehmerische Freiheit waren der Partei ohnehin ein Dorn im Auge. <br>Zu Elschners Ruf als Unternehmer mit Distanz zum Nationalsozialismus passte es, dass der Boxchampion Max Schmeling (der sich ebenfalls der NSDAP verweigerte) gezielt das Hotel Excelsior nutzte. W\u00e4hrend der Pogromnacht am 09.11.1938 versteckte er in seiner Suite die j\u00fcdischen Br\u00fcder Lewin. Am Empfang hinterlie\u00df er die Nachricht, er sei krank und m\u00f6chte nicht gest\u00f6rt werden. Sp\u00e4ter half Schmeling den Br\u00fcdern, das Land in die USA zu verlassen. <br>Im Jahr 1928 soll Elschner dem NSDAP-Vorsitzenden Adolf Hitler bei einem Berlin-Besuch kein Zimmer im Hotel Excelsior vermietet haben. Dies f\u00fchrte in den 1930er Jahren dazu, dass SS-Angeh\u00f6rigen und sp\u00e4ter allen NSDAP-Mitgliedern der Besuch des Hauses untersagt wurde. Als ein bestelltes Inserat mit Werbung f\u00fcr das Hotel im SS-Blatt &#8222;Das Schwarze Korps&#8220; nicht wie gewohnt erschienen war, lie\u00df Elschner in einem Schreiben an die obersten Staats- und Parteibeh\u00f6rden des Dritten Reiches mitteilen, dass er schon vor der Macht\u00fcbernahme \u201ejudenfeindlich eingestellt\u201c gewesen sei. Auch habe das Excelsior als &#8222;erstes gr\u00f6\u00dferes gastronomisches Unternehmen&#8220; die Schilder \u201eJuden unerw\u00fcnscht\u201c angebracht. Er unternahm immer wieder den vergeblichen Versuch, das gesch\u00e4ftssch\u00e4digende Hausverbot aufheben zu lassen:<br>&#8222;Ich erkl\u00e4re an Eidesstatt, dass mir weder selbst noch durch H\u00f6rensagen bekannt ist, dass unser F\u00fchrer im Hotel Excelsior gewohnt hat oder ihm die Aufnahme verweigert worden w\u00e4re.&#8220; Schlie\u00dflich wandte er sich sogar pers\u00f6nlich an Hitler: &#8222;Mein F\u00fchrer! Ich bitte nun auf diesem Wege ganz gehorsamst, die \u00fcber mein Haus und mich verh\u00e4ngte Lokal-Besuchssperre (\u2026) aufheben zu lassen.&#8220; SS-Chef Himmler lehnte Elschners Anliegen jedoch kategorisch ab: &#8222;Es ist mir erst heute m\u00f6glich, (\u2026) Ihnen mitzuteilen, dass ich mein Verbot nicht aufzuheben vermag.&#8220; Als Grund f\u00fchrte der Reichsf\u00fchrer SS an: &#8222;Die Tatsache, dass der F\u00fchrer die Aufnahme in Ihrem Hotel verweigert worden ist, geben Sie zu. Es er\u00fcbrigt sich, im Einzelnen festzustellen, ob Sie von diesem Vorfall Kenntnis erlangt haben.&#8220; Nicht nur allen Parteimitgliedern und SS-Angeh\u00f6rigen, auch der Polizei sei nunmehr der Aufenthalt im Hotel Excelsior strengstens untersagt. <br>Elschner zog sich kurze Zeit sp\u00e4ter unter nicht gekl\u00e4rten Umst\u00e4nden aus Berlin zur\u00fcck und \u00fcberlie\u00df das Excelsior der Leitung seiner Direktoren. Er \u00fcbernahm pers\u00f6nlich sein zweites Hotel auf der Wartburg in Eisenach. \u00dcber eine eventuelle Aufhebung des &#8222;Parteiverbots&#8220; gibt es keine Nachricht. <br>Das Excelsior brannte bei den Endk\u00e4mpfen um Berlin aus. Einige Jahre nach Kriegsende zog Curt Elschner wieder von Eisenach nach Berlin, erhielt die Ruine zur\u00fcck und lie\u00df das Grundst\u00fcck enttr\u00fcmmern. Eine Wiedererrichtung des Hotels am Todesstreifen zwischen West- und Ost-Berlin kam f\u00fcr Elsner jedoch nicht infrage, weil ihm das unrentabel erschien. Der Name \u201eExcelsior\u201c wurde auf ein Hochhaus am selben Ort \u00fcbertragen, ein neues Hotel dieses Namens entstand in der Hardenbergstra\u00dfe. <br>Unter welchen Umst\u00e4nden und wann genau Hitler Hausverbot erhielt, l\u00e4sst sich nicht eindeutig kl\u00e4ren. Es steht zu vermuten, dass Hitlers r\u00fcdes Auftreten und das seiner Anh\u00e4nger im vornehmen Hotel Excelsior seinerzeit nicht erw\u00fcnscht waren, auch weil G\u00e4ste sich beschwert hatten. Elschners unterw\u00fcrfige Schreiben an die NS-F\u00fchrung waren wohl nicht Ausdruck seiner wahren Gesinnung. Recherchen in der NSDAP-Mitgliederkartei ergaben zudem, dass Elschner niemals Parteimitglied war. <br>Curt Elschner starb 1963 in Erfurt, drei Jahre nach dem Tod seiner aus Braunschweig stammenden Frau Berta, die er 1903 geheiratet hatte. <br>Norbert Peters<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Mann, der Hitler Hausverbot erteilte &#8211; oder auch nicht? Im Umfeld unserer M\u00f6ckernkiez-Genossenschaft gibt es Orte und namhafte Pers\u00f6nlichkeiten, an die erinnert werden sollte. Zu ihnen geh\u00f6rt der Gesch\u00e4ftsmann Curt Elschner, der am Anhalter Bahnhof das Luxushotel Excelsior f\u00fchrte. Curt Elschner (1876-1963) war ein deutscher Gastronom und Hotelier, der in verschiedenen St\u00e4dten mit gro\u00dfem &#8230; <\/p>\n<p class=\"read-more-container\"><a title=\"Hausverbot f\u00fcr Hitler?\" class=\"read-more button\" href=\"https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/2026\/09\/26\/hausverbot-fuer-hitler\/#more-12171\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Hausverbot f\u00fcr Hitler?\">Beitrag lesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":12174,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,114,64],"tags":[],"class_list":["post-12171","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-geschichte","category-politik"],"publishpress_future_action":{"enabled":false,"date":"2026-10-03 13:20:00","action":"change-status","newStatus":"draft","terms":[],"taxonomy":"category","extraData":[]},"publishpress_future_workflow_manual_trigger":{"enabledWorkflows":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12171","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12171"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12171\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12176,"href":"https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12171\/revisions\/12176"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/wp-json\/wp\/v2\/media\/12174"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12171"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12171"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12171"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}