{"id":12266,"date":"2026-10-06T17:13:20","date_gmt":"2026-10-06T15:13:20","guid":{"rendered":"https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/?p=12266"},"modified":"2026-10-06T17:13:42","modified_gmt":"2026-10-06T15:13:42","slug":"eindrucksvolle-lesung-von-s-leiber","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/2026\/10\/06\/eindrucksvolle-lesung-von-s-leiber\/","title":{"rendered":"Eindrucksvolle Lesung von Svenja Leiber"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Svenja Leiber liest im M\u00f6ckernkiez aus ihrem Roman \u201eNelka\u201c. <br>Bis auf den letzten Platz gef\u00fcllt, fast \u00fcberf\u00fcllt, war k\u00fcrzlich das Forum des M\u00f6ckernkiezes, als die Schriftstellerin Svenja Leiber Passagen aus ihrem j\u00fcngsten Roman \u201eNelka\u201c las. <br>Die titelgebende Hauptperson des Buches, Nelka, wird 1941 als sechzehnj\u00e4hriges M\u00e4dchen gemeinsam mit anderen Frauen und M\u00e4dchen aus ihrer Heimatstadt Lemberg &#8211; heute das ukrainische Lwiw &#8211; zur Zwangsarbeit auf ein norddeutsches Gut verschleppt. Sie muss ihre Familie und ihre erste gro\u00dfe Liebe zur\u00fccklassen. In einem zweiten Erz\u00e4hlstrang schildert die Autorin, wie Nelka ein halbes Jahrhundert sp\u00e4ter auf das Gut zur\u00fcckkehrt und sich den Erinnerungen stellt, die sie seit den Kriegsjahren verfolgen. Sie will, dass der ehemalige Gutsverwalter, jetzt Hofbesitzer, sich an das erinnert, wovon sie selbst sich endlich befreien muss.<br>Krieg, Verschleppung, Ausbeutung und Missbrauch sind Themen des Romans, aber auch das Durchhalten der Protagonistin. Dabei erz\u00e4hlt die Autorin \u201emit feinf\u00fchligem Blick aber auch von der besonderen Frauenfreundschaft, die sich zwischen den Zwangsarbeiterinnen entspannt\u201c. (Die Zeit, 09.07.2026) Svenja Leiber gilt als eine Autorin, der es in ihren Romanen immer wieder gelingt, starke und mutige Frauen ins Zentrum der Handlung zu r\u00fccken. Das gilt f\u00fcr \u201eNelka\u201c nicht weniger als f\u00fcr ihren Vorg\u00e4ngerroman \u201eKazimira\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deutlich f\u00fcr alle im Raum Anwesenden war zu sp\u00fcren, was in Deutschlandfunk Kultur (20.02.2026) wie folgt formuliert wurde: Die Autorin Svenja Leiber \u201ebeweise ein besonderes Gesp\u00fcr f\u00fcr Details, f\u00fcr feine, sprechende Bilder, die Geschichte transportieren, ohne, dass es gro\u00dfe Worte braucht. Das vermeintlich Private und das \u00d6ffentliche sind (\u2026) so eng miteinander verzahnt, dass sie sich kaum trennen lassen. Und doch geht es Leiber nicht darum, abzurechnen, sondern darum zu bewahren.\u201c Der Roman schreibe \u201eWeltgeschichte, voll poetischer Leidenschaft&#8220;.<br>Diese \u201eWeltgeschichte\u201c bezieht sich auf die Zwangsarbeit w\u00e4hrend der Zeit der NS-Herrschaft, das \u00fcbergeordnete historische Thema des Romans. 30.000 Zwangsarbeiterlager gab es im Deutschen Reich, zig-Millionen zumeist osteurop\u00e4ische, aber auch italienische, franz\u00f6sische oder griechische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter mussten f\u00fcr die Versorgung der deutschen Bev\u00f6lkerung mit Lebensmitteln oder unter zumeist menschenunw\u00fcrdigen und lebensgef\u00e4hrlichen Verh\u00e4ltnissen f\u00fcr die R\u00fcstungsindustrie schuften. Die ideologische Basis daf\u00fcr bildete das Menschenbild der Nationalsozialisten, gekennzeichnet durch angebliche zivilisatorische und rassische \u00dcberlegenheit des \u201earischen\u201c deutschen Volkes, das \u201eVernichtung durch Arbeit\u201c einschloss. <br>Tausende M\u00e4dchen und Frauen wurden auch in privaten Haushalten als Arbeitskr\u00e4fte eingesetzt, zum Beispiel in kinderreichen Familien zur Unterst\u00fctzung der M\u00fctter, deren Ehem\u00e4nner sich an der Front befanden. (Im Januar dieses Jahres wurde an dieser Stelle exemplarisch an das Schicksal der Ukrainerin Raisa Ivanovna aus der Wartenburgstra\u00dfe 17 erinnert, die 1942, im Alter von 21 Jahren, einer dort wohnhaften Familie mit vier Kindern als Hausm\u00e4dchen zugewiesen wurde.) <br>In Deutschland wurde die NS-Zwangsarbeit seitens der Politik und der Gerichte jahrzehntelang als \u00fcbliche Begleiterscheinung von Krieg und Besatzungsherrschaft bezeichnet und bagatellisiert, nicht aber als spezifisches NS-Verbrechen anerkannt. Erst in den 1980er und 1990er Jahren gelang es Opferverb\u00e4nden und lokalen Erinnerungsinitiativen, das Thema in das Bewusstsein der \u00d6ffentlichkeit zu r\u00fccken. Um die Jahrtausendwende lie\u00df dann die Entsch\u00e4digungsdebatte die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus dem Status der &#8222;vergessenen Opfer&#8220; heraustreten \u2013 als viele der damaligen Opfer bereits nicht mehr am Leben waren. <br>Ihre herausgehobene Rolle unter den Zwangsarbeiterinnen auf dem schleswig-holsteinischen Gutshof f\u00fcr den Verwalter Marten verdankt Nelka ihren Kenntnissen bei der Anpflanzung von Apfelb\u00e4umen. Apfelsorten werden seit Jahrhunderten durch Veredelung vermehrt. Nelka verf\u00fcgt dank ihres von den Nazis ermordeten Vaters von Kindesbeinen an \u00fcber die Kenntnis um das Gedeihen von Apfelb\u00e4umen und Obstplantagen. Dieses Wissen wird ihr einerseits zur Rettung, andererseits aber auch zum Verh\u00e4ngnis. \u201eDie Fragen von Herkunft, Wachstum, Veredelung und Fortbestand werden zu Metaphern f\u00fcr Identit\u00e4t, Erinnerung und die Weitergabe von Erfahrungen \u00fcber Generationen hinweg.\u201c (Bernhard Walcher) <br>Dass bei der Lesung \u00c4pfel zum Verkosten und Mitnehmen gereicht wurden, war nur eine der stimmigen Ideen, die der M\u00f6ckernkiez-Mitbewohner Carlo Wahrmann f\u00fcr die Veranstaltung entwickelt hatte. Es konnten auch Exemplare des Buches \u201eNelka\u201c erworben werden, welche die Buchhandlung \u201eAnagramm\u201c aus dem Mehringdamm vorhielt und die von der Autorin signiert wurden. Der Initiator, der aus pers\u00f6nlichen Gr\u00fcnden nicht an der Lesung teilnehmen, sie aber online verfolgen konnte, stammt selbst aus jener Gegend in Schleswig-Holstein, die den \u00f6rtlichen Rahmen f\u00fcr die Romanhandlung bildet.<br>Zur Abrundung der Veranstaltung trug auch der musikalische Beitrag des Duos Maria (Akkordeon) und Joachim (Klarinette) bei, das die Zuh\u00f6rerschaft mit vier vorgetragenen St\u00fccken erfreute. Wohl alle bei der Lesung Anwesenden verlie\u00dfen den Raum mit dem guten Gef\u00fchl, dass selbst die r\u00e4umliche Enge letzten Endes keine Rolle mehr spielte. <br>Text: Norbert Peters Fotos: Stefanie Elmendorff <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"951\" height=\"666\" src=\"https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Bild2Lesung.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-12268\" srcset=\"https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Bild2Lesung.jpg 951w, https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Bild2Lesung-300x210.jpg 300w, https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Bild2Lesung-768x538.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 951px) 100vw, 951px\" \/><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Svenja Leiber liest im M\u00f6ckernkiez aus ihrem Roman \u201eNelka\u201c. 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