{"id":7838,"date":"2025-06-25T18:17:18","date_gmt":"2025-06-25T16:17:18","guid":{"rendered":"https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/?p=7838"},"modified":"2025-12-09T22:16:56","modified_gmt":"2025-12-09T21:16:56","slug":"schriftzug-vernissage-im-gleisdreieckpark","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/2025\/06\/25\/schriftzug-vernissage-im-gleisdreieckpark\/","title":{"rendered":"&#8222;SchriftZug&#8220;: Vernissage im Park am Gleisdreieck"},"content":{"rendered":"\n<p>Er\u00f6ffnung des <strong>Erinnerungswegs Gleis 1<\/strong> vom Anhalter Bahnhof zum Erinnerungsort in der M\u00f6ckernkiez Wohngenossenschaft. <\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Vernissage von Christine Berndts restauriertem Werk \u201eSchriftZug\u201c auf den Gleisen in Richtung Theresienstadt am 18. Juli um 16 Uhr<\/em><\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ort<em>: <\/em>Gleisdreieck-Park Berlin-Kreuzberg, S\u00fcdost-Ecke des eingez\u00e4unten Basketballsportplatzes s\u00fcdlich vom Skaterplatz \u00a0<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Erinnerung Gleis 1<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"101\" height=\"75\" src=\"https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Bild1_Gleis.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7839\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Von 1942 bis 1945 wurden vom Gleis 1 des Anhalter Bahnhofs mindestens 9600 j\u00fcdische B\u00fcrger:innen Berlins in sogenannten <strong>Alterstransporten, <\/strong>die an den \u00f6ffentlichen Fr\u00fchzug nach Dresden angeh\u00e4ngt waren, in das Ghettolager <strong>Theresienstadt<\/strong> deportiert und, falls sie in Theresienstadt nicht umkamen, von dort aus meist weiter in das Vernichtungslager <strong>Auschwitz <\/strong>transportiert. <\/p>\n\n\n\n<p>Auf diesem &nbsp;&nbsp;Gleisdreieck des ehemaligen Anhalter Bahnhofs errichtete von 2009 (Gr\u00fcndung) &nbsp;bis 2018 die selbstverwaltete, inklusive M\u00f6ckernkiez-Genossenschaft H\u00e4user f\u00fcr fast 1000 ihrer Mitglieder. Seit 2015 arbeitet die AG <strong>Erinnerung Gleis 1<\/strong> des M\u00f6ckernkiez e.V. im Austausch mit dem Exil-Museum, dem Technik-Museum, der Gedenkst\u00e4tte Yad Vashem, dem Aktiven Museum und anderen Gespr\u00e4chspartnern an einem \u00f6ffentlichen Erinnerungsort auf dem Gel\u00e4nde der Genossenschaft. Am 6. Juli 2024 wurde mit der Installation eines historischen <strong>Weichenbocks<\/strong> auf dem Yorckplatz vor dem Forum der M\u00f6ckernkiez e.G. dieser Erinnerungsort eingeweiht. Der Senat von Berlin hat 2024 die Arbeit der AG finanziell unterst\u00fctzt. Seitdem finden im Forum und in der Umgebung eine F\u00fclle von Veranstaltungen statt, so z.B. am 19.10.2024 im Forum das <strong>Gedenkkonzert <\/strong>(mit Symposium) von Werken der Theresienst\u00e4dter Komponierenden Ilse Weber, Hans Kr\u00e1sa, Viktor Ullmann, Pavel Haas und Gideon Klein: vor 80 Jahren wurden diese Komponierenden in Auschwitz ermordet (siehe Anhang). Am 27. M\u00e4rz 2025 wurden zum 80. Jahrestag des letzten \u201eAlterstransports\u201c vom Anhalter Bahnhof in das Ghettolager Zeichnungen ausgestellt, mit denen der Inhaftierte Leo Haas das Ghettolager Theresienstadt dokumentierte. Der Bundespr\u00e4sident schrieb einen ausf\u00fchrlichen Dankesbrief. Seit 2025 finanziert sich unsere Arbeit ausschlie\u00dflich von privaten Spenden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Werk \u201eSchriftZug\u201c auf dem Erinnerungsweg Gleis 1<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p>Am 18. Juli 2025 um 16 Uhr wird der Erinnerungsort erweitert, zum <strong>Erinnerungsweg Gleis 1 <\/strong>vom Anhalter Bahnhof zum Erinnerungsort im M\u00f6ckernkiez<strong>.<\/strong> Dieser Weg f\u00fchrt vorbei an stillgelegten Gleisen, auf denen einstmals auch Z\u00fcge nach Theresienstadt fuhren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die K\u00fcnstlerin Christine Berndt hat auf die Gleise in ihrem restaurierten Werk <strong>\u201eSchriftZug\u201c<\/strong> Zeilen von <strong>Rose Ausl\u00e4nder, Herta M\u00fcller und Jacob van Hoddis<\/strong> in deutscher Fraktur-Schrift &#8211; die Hitler als angeblich \u201eSchwabacher Judenlettern\u201c am 4.1.1941 durch die Antiqua ersetzt sehen wollte &#8211; auf die Gleise montiert. Die zitierten Worte wurden aus d\u00fcnnen Kupferb\u00e4ndern ausgestanzt und die B\u00e4nder auf den Gleisen befestigt. <\/p>\n\n\n\n<p>Es entstand ein Kunstwerk, das die <strong>Ambivalenz des Ortes rund um das Berliner Gleisdreieck<\/strong> aufgreift \u2013 ein Areal, um das Gleisdreieck auf dessen Schienen Traum und Alptraum gleicherma\u00dfen mitfuhren.<\/p>\n\n\n\n<p>Es kombiniert Zitate aus literarischen Quellen, die auf poetische und doch gebrochene Weise die widerspr\u00fcchlichen Gef\u00fchle des \u201eReisens\u201c&nbsp; gerade an diesem Ort versinnbildlichen. Der expressionistische j\u00fcdische Lyriker <strong>Jacob van Hoddis<\/strong> schrieb 1911 das Gedicht \u201eWeltende\u201c. Seine Zeile \u201e<strong><em>Die Eisenbahnen fallen von den Br\u00fccken\u201c<\/em><\/strong> liest sich wie eine Vorahnung der Zerst\u00f6rung, die sich in den Weltkriegen und den Deportationen erf\u00fcllte. 1942 wurde Van Hoddis deportiert und ermordet. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rose Ausl\u00e4nder<\/strong>, j\u00fcdische \u00dcberlebende des Holocaust, setzte sich in ihrer Lyrik mit dem Trauma des \u00dcberlebens in Verlusten auseinander. In ihren Gedichten wie in den Versen <strong><em>\u201eIch, \u00dcberlebende des Grauens, schreibe aus Worten Leben\u201c<\/em><\/strong>, ruft sie die Kraft des Schreibens als Akt des Widerstands und des \u00dcberlebens an. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Herta M\u00fcller<\/strong>, Tochter eines SS-Mannes, thematisiert in ihrem Roman <strong><em>\u201eAtemschaukel\u201c<\/em><\/strong> das Schicksal der rum\u00e4niendeutschen Minderheit nach dem Zweiten Weltkrieg. Ihre Mutter wurde nach Kriegsende, wie viele Deutsche aus der Bukowina, von der sowjetischen Besatzung in Arbeitslagern gefangen. In <em>\u201eAtemschaukel\u201c<\/em> wird das Motiv der Deportation in der Figur des \u201eJacob\u201c thematisiert, der in Viehwaggons in die Lager transportiert wird. Der Satz \u201eIch wei\u00df, du kommst wieder\u201c, den Jacob im Buch mit auf den Weg bekommt, ist f\u00fcr Herta M\u00fcller von tiefer Doppeldeutigkeit. Urspr\u00fcnglich mag dieser Satz Trost und Hoffnung ausdr\u00fccken, doch im Kontext der Deportation und der Gewalt des 20. Jahrhunderts bekommt er eine tragische Dimension. F\u00fcr die j\u00fcdischen Opfer des Holocaust gab es keine solche Gewissheit \u2013 sie wussten, dass sie nicht zur\u00fcckkehren w\u00fcrden. Herta M\u00fcllers Satz erinnert jedoch mit dieser Doppeldeutigkeit an die wiederkehrenden Bedrohungen durch Nationalismus und die Wiederkehr rechtsextremer Ideologien: \u201eIch wei\u00df, du kommst wieder\u201c wird so auch zur Mahnung an die Gegenwart und er\u00f6ffnet den SchriftZug. Das Zitat aus der \u201eAtemschaukel\u201c steht als literarische Br\u00fccke zwischen den historischen Ereignissen und der Gefahr des Vergessens. <\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Michael Sontheimer von der \u201aZeit\u2018 gab es &#8222;keinen Ort in Deutschland, auf dem so bleiern nationale Symbolik lastet wie auf der Brache rund um den Potsdamer Platz&#8220;. <\/p>\n\n\n\n<p>DER SCHRIFTZUG AUF DEN SCHIENEN: <\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong><em>Ich wei\u00df Du kommst wieder<\/em><\/strong> (Herta M\u00fcller aus: Atemschaukel)<\/li>\n\n\n\n<li><strong><em>Der Engel schweigt<\/em><\/strong> (Jacob von Hoddis aus: Todesengel IV)&nbsp;<\/li>\n\n\n\n<li><strong><em>die L\u00fcfte ziehn wie krank<\/em><\/strong> (Jacob von Hoddis aus: Todesengel IV)<\/li>\n\n\n\n<li><strong><em>und sangen<\/em><\/strong> (Rose Ausl\u00e4nder \u201e<em>vor den Garben\u201c<\/em> aus: meine Toten schweigen tief)<\/li>\n\n\n\n<li><strong><em>Wangen margeritenwei\u00df<\/em><\/strong> (Rose Ausl\u00e4nder \u201e<em>ich habe noch nicht aufgeh\u00f6rt zu sterben\u201c<\/em> aus &nbsp;&nbsp;meine Toten schweigen tief )<\/li>\n\n\n\n<li><strong><em>ein Todesgebet<\/em><\/strong><strong> <\/strong>(Rose Ausl\u00e4nder \u201e<em>vor den Garben\u201c<\/em>&nbsp;&nbsp; aus: meine Toten schweigen tief)<\/li>\n\n\n\n<li><strong><em>die Eisenbahnen fallen<\/em><\/strong><strong> <\/strong>(Jacob von Hoddis aus: Weltende)<\/li>\n\n\n\n<li><strong><em>Mondlied trifft mein Herz<\/em><\/strong><strong> (<\/strong>Rose Ausl\u00e4nder<strong> \u201e<\/strong><em>Sternsturz\u201c<\/em> aus: der Traum lebt mein Leben zu Ende)<\/li>\n\n\n\n<li><strong><em>mein Heimweh ist ein Stacheltier<\/em> <\/strong>(Rose Ausl\u00e4nder \u201e<em>mein Heimweh\u201c <\/em>aus: meine Toten schweigen tief)&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Angaben zur K\u00fcnstlerin Christine Berndt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bildhauerin und Meistersch\u00fclerin an der KHB sowie Mitbegr\u00fcnderin der K\u00fcnstlerinnengruppe msk7, arbeitet sie als Zeichnerin, Klang- und Video-K\u00fcnstlerin. Sie entwickelte mehrere Multi-Media-Installationen. So wurde 2008 die \u201eOpernskulptur\u201c <em>Dorle <\/em>in einem ehemaligen Berliner Grenzwachturm uraufgef\u00fchrt. Sie entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Komponisten Helmut Oehring und lie\u00df die Kunstfigur Dorle, als eine aus historischen Quellen zusammengesetzte DDR-Biographie, in einer skulpturalen Performance mit Klang und Bildprojektionen lebendig werden. Ebenso fand die Videoinstallation <em>\u201eBrief der J\u00fcdin<\/em>\u201c, die demn\u00e4chst im Forum des M\u00f6ckernkiezes gezeigt werden soll, internationale Aufmerksamkeit.&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Er\u00f6ffnung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die <strong>Er\u00f6ffnung<\/strong> des Erinnerungsweges beginnt am 18. Juli um 16 Uhr am <strong>SchriftZug<\/strong> auf den Gleisen <strong>an der S\u00fcdost-Ecke des hoch eingez\u00e4unten Basketballsportplatzes, <\/strong>der s\u00fcdlich neben dem ber\u00fchmten Skater-Platz liegt. (TelefonNr. F\u00fcr Ortsfremde: 0163 3210000).&nbsp; Nach der Er\u00f6ffnung an den Gleisen geht die Versammlung den etwa 700 Meter langen Weg durch den Gleisdreieckpark zum historischen <strong>Weichenbock <\/strong>im M\u00f6ckernkiez und zum Caf\u00e9 M\u00f6ca auf dem Kiezplatz zum Austausch.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer auch immer den Gleisdreieck-Park nutzt, wird sich auf diesem Weg zuk\u00fcnftig \u00fcber QR-Codes an Stelen von Gr\u00fcn Berlin \u00fcber den Sinn dieses Erinnerungswegs und \u00fcber die Veranstaltungen informieren k\u00f6nnen, die dazu regelm\u00e4\u00dfig im Forum der M\u00f6ckernkiez-Genossenschaft stattfinden. <\/p>\n\n\n\n<p><em>Spenden willkommen<\/em>. <\/p>\n\n\n\n<p>Johann Behrens, AG Erinnerung Gleis 1 des M\u00f6ckernkiez e.V., mit Dank f\u00fcr Texte von Christine Berndt. R\u00fcckfragen: johann.behrens@medizin.uni-halle.de <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/grafik-8-1024x576.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-7848\" style=\"width:403px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/grafik-8-1024x576.png 1024w, https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/grafik-8-300x169.png 300w, https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/grafik-8-768x432.png 768w, https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/grafik-8.png 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Foto: Zwei Schienen (Textinstallation im \u00f6ffentlichen Raum)<br>Kupferfolie mit ausgestanztem Schriftzug auf Schienenpaar am Gleisdreieck, Christine Berndt Berlin 2012<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er\u00f6ffnung des Erinnerungswegs Gleis 1 vom Anhalter Bahnhof zum Erinnerungsort in der M\u00f6ckernkiez Wohngenossenschaft. 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