{"id":8045,"date":"2025-07-16T18:56:27","date_gmt":"2025-07-16T16:56:27","guid":{"rendered":"https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/?p=8045"},"modified":"2025-12-09T22:16:16","modified_gmt":"2025-12-09T21:16:16","slug":"vernissage-und-eroeffnung-des-erinnerungs-weges-im-gleisdreieckpark-am-18-juli-um-1600-uhr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/2025\/07\/16\/vernissage-und-eroeffnung-des-erinnerungs-weges-im-gleisdreieckpark-am-18-juli-um-1600-uhr\/","title":{"rendered":"Vernissage und Er\u00f6ffnung des Erinnerungs-Weges im Park am Gleisdreieck am 18. Juli um 16:00 Uhr"},"content":{"rendered":"\n<p><strong><a href=\"https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Gleis-1-SchriftZug-mit-Foto-Erinnerungsweg-Einladung-1.pdf\">\u201eSchriftZug\u201c <\/a>von Christine Berndt auf dem er\u00f6ffneten Erinnerungsweg Gleis 1<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vernissage und Er\u00f6ffnung des Weges im Gleisdreieckpark am 18. Juli um 16:00 Uhr<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ort: auf Weg und im Unterholz nahe der S\u00fcdost-Ecke des eingez\u00e4unten Ballsportplatzes s\u00fcdlich neben dem Skaterplatz<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Er\u00f6ffnung des Erinnerungswegs Gleis 1 vom Anhalter Bahnhof zum Erinnerungsort in der M\u00f6ckernkiez-Wohngenossenschaft<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Von 1942 bis 1945 wurden vom Gleis 1 des Anhalter Bahnhofs mindestens 9600 j\u00fcdische B\u00fcrger:innen in sogenannten Alterstransporten, die an den \u00f6ffentlichen Fr\u00fchzug nach Dresden angeh\u00e4ngt waren, in das Ghettolager Theresienstadt deportiert und, falls sie in Theresienstadt nicht umkamen, von dort aus meist weiter in das Vernichtungslager Auschwitz transportiert. Seit 2015 arbeitet die AG Erinnerung Gleis 1 des M\u00f6ckernkiez e.V. im Austausch mit dem Exil-Museum, dem Technik-Museum, der Gedenkst\u00e4tte Yad Vashem, dem Aktiven Museum und anderen Gespr\u00e4chspartnern an einem \u00f6ffentlichen Erinnerungsort auf dem Gel\u00e4nde der Genossenschaft. Im Juli 2024 wurde mit der Installation eines historischen Weichenbocks auf dem Yorckplatz ein Erinnerungsort eingeweiht. Der Senat von Berlin hat die Arbeit der AG finanziell unterst\u00fctzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Seitdem finden im M\u00f6ckernkiez und in der Umgebung eine F\u00fclle von Veranstaltungen statt, so z. B. am 19.10.2024 das Gedenkkonzert (mit Symposium) von Werken der Theresien st\u00e4dter Komponierenden Ilse Weber, Hans Kr\u00e1sa, Viktor Ullmann, Pavel Haas und Gideon Klein, die vor 80 Jahren in Auschwitz ermordet wurden. Am 27. M\u00e4rz 2025 wurden zum 80. Jahrestag des letzten \u201eAlterstransports\u201c vom Anhalter Bahnhof in das Ghettolager Zeichnungen ausgestellt, mit denen der Inhaftierte Leo Haas das Lager dokumentierte. Der Bundespr\u00e4sident schrieb einen ausf\u00fchrlichen Dankesbrief.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Werk \u201eSchriftZug\u201c auf dem Erinnerungsweg Gleis 1 Am 18. Juli 2025 wird der Erinnerungsort im M\u00f6ckernkiez erweitert zum Erinnerungsweg Gleis 1 vom Anhalter Bahnhof zum historischem Weichenbock. Die K\u00fcnstlerin Christine Berndt hat auf die Schienen in ihrem 2012 geschaffenen, 2025 erneuerten 20 m langen Werk \u201eSchriftZug\u201c Zeilen von Rose Ausl\u00e4nder, Herta M\u00fcller und Jakob van Hoddis in Fraktur-Schrift \u2013 die Hitler 1941 als angeblich \u201eSchwabacher Judenlettern\u201c durch die Antiqua ersetzt sehen wollte \u2013 appliziert. Die zitierten Worte wurden aus d\u00fcnnen Kupferb\u00e4ndern ausgestanzt und die B\u00e4nder auf den Schienen befestigt. Erst im Blickwechsel von der einen Schiene des Gleises zur anderen ergibt sich aus der Collage ein neuer Text, der auf die Ambivalenz des Ortes reagiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Der expressionistische j\u00fcdische Lyriker Jakob van Hoddis schrieb 1911 das Gedicht \u201eWeltende\u201c. Seine Zeile \u201eDie Eisenbahnen fallen von den Br\u00fccken\u201c liest sich im \u201eSchriftZug\u201c wie eine Vorahnung der Zerst\u00f6rung, die sich in den Weltkriegen und den Deportationen erf\u00fcllte. 1942 wurde van Hoddis deportiert und ermordet. Rose Ausl\u00e4nder, j\u00fcdische \u00dcberlebende des Holocausts, setzte sich in ihrer Lyrik mit dem Trauma des \u00dcberlebens in Verlusten auseinander. In ihren Gedichten, wie in den Versen \u201eIch, \u00dcberlebende des Grauens, schreibe aus Worten Leben\u201c, ruft sie die Kraft des Schreibens als Akt des Wider stands und des \u00dcberlebens an. Herta M\u00fcller, Tochter eines SS-Mannes, thematisiert in ihrem Roman \u201eAtemschaukel\u201c das Schicksal der rum\u00e4niendeutschen Minderheit nach dem Zweiten Weltkrieg. In \u201eAtemschaukel\u201c wird das Motiv der Deportation in der Figur des Deutschen Leopold thematisiert, der im Viehwaggon in ein Lager transportiert wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Satz \u201eIch wei\u00df, Du kommst wieder\u201c, den Leopold im Buch mit auf den Weg bekommt, ist f\u00fcr die K\u00fcnstlerin Christine Berndt von tiefer Mehrdeutigkeit. Urspr\u00fcnglich mag dieser Satz Trost und Hoffnung ausdr\u00fccken, doch im Kontext der Deportation und der Gewalt des 20. Jahrhunderts bekommt er eine tragische Dimension. F\u00fcr die j\u00fcdischen Opfer des Holocausts gab es keine solche Gewissheit \u2013 sie ahnten, dass sie nicht zur\u00fcckkehren w\u00fcrden. Im Jahr 2025 wirkt der Satz \u201eIch wei\u00df, Du kommst wieder\u201c f\u00fcr die K\u00fcnstlerin aktueller denn je. Mit seiner vielschichtigen Bedeutung erinnert er an die wachsenden Gefahren durch die gesellschaftliche Normalisierung rechtsextremer Tendenzen und an das Erstarken einer Partei, die vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft wird. Urspr\u00fcnglich Teil einer literarischen Erz\u00e4hlung von Herta M\u00fcller, hat sich der Satz auf dem restaurierten Schriftzug von seinem urspr\u00fcnglichen Kontext gel\u00f6st. Heute liest er sich wie eine eindringliche Warnung: \u201eWehret den Anf\u00e4ngen.\u201c Denn die Geschichte zeigt: Der Faschismus kehrt zur\u00fcck \u2013 oft getarnt in neuer Form.<\/p>\n\n\n\n<p>Literarische Quellen \u201eSchriftZug\u201c: Herta M\u00fcller Ich wei\u00df, Du kommst wieder aus: Atemschaukel Jakob van Hoddis Der Engel schweigt \/ die L\u00fcfte ziehn wie krank aus: Der Todesengel (IV) die Eisenbahnen fallen aus: Weltende Rose Ausl\u00e4nder (Gedichtband: ich spiele noch) und sangen ein Todesgebet aus: meine Toten schweigen tief Wangen margeritenwei\u00df aus: meine Toten schweigen tief Mondlied trifft mein Herz aus: der Traum lebt mein Leben zu Ende mein Heimweh ist ein Stacheltier aus: meine Toten schweigen tief<\/p>\n\n\n\n<p>Christine Berndt, Bildhauerin und Meistersch\u00fclerin der Kunsthochschule Berlin-Wei\u00dfensee (KHB) sowie Mitbegr\u00fcnderin der K\u00fcnstlerinnengruppe msk7, arbeitet als Zeichnerin, Klang- und Video-K\u00fcnstlerin. Sie entwickelte mehrere Multi-Media-Installationen. So wurde 2008 die \u201eOpernskulptur\u201c Dorle in einem Berliner Grenzwachturm uraufgef\u00fchrt. Ebenso fand die Video-Installation \u201eBrief der J\u00fcdin\u201c, die demn\u00e4chst im M\u00f6ckernkiez gezeigt werden soll, internationale Aufmerksamkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Vernissage bei den Schienen (im Unterholz nahe der S\u00fcdost-Ecke des eingez\u00e4unten Ballsportplatzes s\u00fcdlich neben dem Skater-Platz) geht die Versammlung den etwa 700 m langen Weg durch den Gleisdreieckpark zum historischen Weichenbock auf dem Yorckplatz im M\u00f6ckernkiez und zum Caf\u00e9 M\u00f6ca zum Austausch. Wer auch immer den Gleisdreieckpark nutzt, wird sich auf diesem Weg zuk\u00fcnftig \u00fcber QR-Codes an Stelen von Gr\u00fcn Berlin \u00fcber den Sinn dieses Erinnerungswegs und \u00fcber die Veranstaltungen informieren k\u00f6nnen, die dazu in der M\u00f6ckernkiez-Genossenschaft stattfinden. Finanzielle Unter st\u00fctzung ist willkommen, denn seit 2025 finanziert sich unsere Arbeit ausschlie\u00dflich durch private Spenden.<\/p>\n\n\n\n<p>Johann Behrens unter Verwendung von Texten Christine Berndts<\/p>\n\n\n\n<p>AG Erinnerung Gleis 1 des M\u00f6ckernkiez e.V., bescheinigte Spenden mit Verwendungszweck \u201eErinnerung Gleis 1\u201c IBAN: DE41 4306 0967 1101 9938 00 GLS-Bank, BIC: GENODEM1GLS<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eSchriftZug\u201c von Christine Berndt auf dem er\u00f6ffneten Erinnerungsweg Gleis 1 Vernissage und Er\u00f6ffnung des Weges im Gleisdreieckpark am 18. 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