{"id":8084,"date":"2025-07-28T13:20:00","date_gmt":"2025-07-28T11:20:00","guid":{"rendered":"https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/?p=8084"},"modified":"2025-07-24T19:46:15","modified_gmt":"2025-07-24T17:46:15","slug":"katzbachstrasse-nr-9-keimzelle-der-spd-im-19-jahrhundert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/2025\/07\/28\/katzbachstrasse-nr-9-keimzelle-der-spd-im-19-jahrhundert\/","title":{"rendered":"Katzbachstra\u00dfe Nr. 9 &#8211; Keimzelle der SPD im 19. Jahrhundert"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\"><\/h1>\n\n\n\n<p>Im Umfeld unserer M\u00f6ckernkiez-Genossenschaft lebten in fr\u00fcheren Zeiten nicht nur namhafte Pers\u00f6nlichkeiten, an die erinnert werden sollte. Auch eine fr\u00fchere Parteizentrale ist hier zu finden.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIm ersten Stockwerk dieses Hauses hatte die Sozialdemokratische Partei Deutschlands von 1890 bis 1895 ihre zentrale Gesch\u00e4ftsstelle\u201c. So lautet die Inschrift am Haus Katzbachstra\u00dfe 9\/Ecke Kreuzbergstra\u00dfe. Nach anderen Quellen existierte die Gesch\u00e4ftsstelle an diesem Ort sogar bis zum Jahr 1900.<\/p>\n\n\n\n<p>Unbestritten ist, dass in diesem Geb\u00e4ude prominente Parteigr\u00f6\u00dfen ein und aus gingen: August Bebel, Rosa Luxemburg, die 1898 in der Katzbachstra\u00dfe ihren Parteibeitritt erkl\u00e4rte, oder Ignaz Auer (1846 bis 1907), der eine Art erster Generalsekret\u00e4r der Partei war und in dessen Wohnung viele Vorstandssitzungen stattfanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Auer stammte aus einfachen Verh\u00e4ltnissen. Er erlernte das Sattlerhandwerk, wurde nach Ausrufung eines Streiks aus Kassel verbannt und landete nach Jahren als Wandergeselle 1872 in Berlin, wo er Vorsitzender des \u201eAllgemeinen Deutschen Sattlervereins\u201c wurde. Diese T\u00e4tigkeit war unbezahlt. Auer lebte lange Jahre von der Hand in den Mund und konnte sich zun\u00e4chst weder ein eigenes Zimmer noch eine Wohnung leisten. 1878 wurde er als Opfer des \u201eKleinen Belagerungszustandes\u201c aus Berlin und 1880 aus Hamburg ausgewiesen. Da er bei Arbeitgebern auf der Roten Liste stand, fand er keine Anstellung mehr und musste sich f\u00fcnf Jahre lang als M\u00f6belh\u00e4ndler in Schwerin durchschlagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Vereinigungsparteitag von Allgemeinem Deutschen Arbeiterverein (ADAV) und Sozialdemokratischer Arbeiterpartei (SDAP) 1875 in Gotha war er an der Verschmelzung der beiden sozialdemokratischen Richtungen aktiv beteiligt. 1877 wurde er in den Reichstag gew\u00e4hlt, dem er \u00fcber drei Legislaturperioden angeh\u00f6rte. Unter Bismarcks repressiven Sozialistengesetzen von 1878 bis 1890 erwarb Auer sich gro\u00dfe Verdienste um die Erhaltung der Kampfkraft der Sozialdemokratie, die bei den Reichstagswahlen von 1890 ein Rekordergebnis von fast 20 Prozent einfuhr, die der Partei aufgrund der ungerechten Wahlkreiseinteilung aber nur zu neun Prozent der Sitze im Parlament verhalfen. Die staatliche Verfolgung der Arbeiterbewegung nahm in den Jahren danach noch einmal zu. Von 1890 bis 1912 wurden von deutschen Gerichten gegen \u201eim Dienste der Arbeiterbewegung t\u00e4tige Personen\u201c insgesamt 1209 Jahre Gef\u00e4ngnis und 111 Jahre Zuchthaus verh\u00e4ngt (Tenfelde\/Ritter in: \u201eArbeiter im Deutschen Kaiserreich\u201c).<\/p>\n\n\n\n<p>Ignaz Auer, der Zeit seines Lebens unter Rheuma und den Folgen schwerer k\u00f6rperlicher Arbeit und Mangelern\u00e4hrung litt, starb 1907 im Alter von nur 61 Jahren in Berlin. F\u00fcr Rosa Luxemburg war er \u201eein echter Sohn des Volkes\u201c. Eduard Bernstein nannte ihn \u201eAuer, der Einzigartige\u201c. F\u00fcr seinen sp\u00e4teren Grabstein hatte Auer sich 1901 die Inschrift gew\u00fcnscht: \u201eAuers Bem\u00fchen und Bestreben ist es gewesen, Gegens\u00e4tze, die in der Arbeiterbewegung sich geltend machten, auszugleichen, sie zu \u00fcberbr\u00fccken\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Norbert Peters<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Umfeld unserer M\u00f6ckernkiez-Genossenschaft lebten in fr\u00fcheren Zeiten nicht nur namhafte Pers\u00f6nlichkeiten, an die erinnert werden sollte. Auch eine fr\u00fchere Parteizentrale ist hier zu finden. \u201eIm ersten Stockwerk dieses Hauses hatte die Sozialdemokratische Partei Deutschlands von 1890 bis 1895 ihre zentrale Gesch\u00e4ftsstelle\u201c. So lautet die Inschrift am Haus Katzbachstra\u00dfe 9\/Ecke Kreuzbergstra\u00dfe. 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