{"id":9205,"date":"2025-11-20T20:08:00","date_gmt":"2025-11-20T19:08:00","guid":{"rendered":"https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/?p=9205"},"modified":"2025-11-19T10:13:34","modified_gmt":"2025-11-19T09:13:34","slug":"verbrennungsoefen-fuer-konzentrationslager","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/moeckernkiez-ev.de\/Wordpress_MK\/2025\/11\/20\/verbrennungsoefen-fuer-konzentrationslager\/","title":{"rendered":"Verbrennungs\u00f6fen f\u00fcr Konzentrationslager"},"content":{"rendered":"\n<p><em><strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-global-color-7-color\">Im Umfeld unserer M\u00f6ckernkiez-Genossenschaft lebten in fr\u00fcheren Zeiten nicht nur namhafte Pers\u00f6nlichkeiten, an die erinnert werden sollte. Auch historisch bedeutsame Orte sind hier zu finden, zum Beispiel in der Sch\u00f6neberger Dennewitzstra\u00dfe.<\/mark><\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Dennewitzstra\u00dfe am Gleisdreieckpark ist nicht weit vom M\u00f6ckernkiez entfernt. Viele moderne Wohnh\u00e4user sind dort zu sehen. Die Hausnummer 35 w\u00fcrde man in diesem Ensemble allerdings vergeblich suchen \u2013 die Geb\u00e4ude mit den Nummern 35 und 36 wurden Anfang der 70er Jahre im Zuge von Sanierungsarbeiten abgerissen. Dabei sollte sich genau dort eigentlich ein Erinnerungsort f\u00fcr NS-Verbrechen befinden, denn hier war \u00fcber Jahrzehnte die H. Kori GmbH zu Hause.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese baute \u00d6fen f\u00fcr die Verbrennung der Leichen in Konzentrationslagern und Vernichtungsst\u00e4tten der Nationalsozialisten: Ravensbr\u00fcck, Stutthof, Bergen-Belsen, Sachsenhausen, Majdanek, Flossenb\u00fcrg, Mauthausen, Dachau \u2026 Die Firma r\u00fcstete auch vier der sechs T\u00f6tungsanstalten aus f\u00fcr die sogenannte Aktion T4 (Tiergarten 4 \u2013 dort befindet sich heute eine Gedenkst\u00e4tte): Menschen mit psychischen Beeintr\u00e4chtigungen und geistigen Behinderungen wurden mit Kohlenmonoxid vergiftet. Ihre Leichen wurden direkt in den Anstalten verbrannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ob es sich unter der Adresse Dennewitzstra\u00dfe 35 um den Verwaltungssitz der Firma, das Planungsb\u00fcro oder die Produktionsst\u00e4tte f\u00fcr \u00d6fen handelt, ist nicht eindeutig festzustellen, denn es existiert kein Firmenarchiv mehr. Fest steht allerdings, dass die Inhaber der Firma nach 1945 nicht f\u00fcr ihre Mitarbeit an NS-Verbrechen zur Verantwortung gezogen wurden. Bis 1976 war die Kori GmbH noch t\u00e4tig, bis 2012 war sie im Handelsregister eingetragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegr\u00fcndet wurde die Firma in Berlin 1887 von Heinrich Kori, der sie Anfang der 1920er Jahre in eine GmbH verwandelte und vor allem Familienmitglieder als Gesellschafter einbezog. Zun\u00e4chst entwickelte die Firma Heizungsanlagen; schon bald baute sie Verbrennungs\u00f6fen f\u00fcr alle m\u00f6glichen Abf\u00e4lle, z. B. Hausm\u00fcll oder Tierkadaver. In einem undatierten Werbesprospekt bot die Firma an: \u201eAlles Unreine und Wertlose wird am besten und billigsten gleich am Entstehungsort verbrannt.\u201c Ein Neffe des Firmengr\u00fcnders d\u00fcrfte als SS-Mitglied den Kontakt zu staatlichen Instanzen hergestellt haben. Die Auftr\u00e4ge zur Unterst\u00fctzung des Massenmords entwickelten sich im Laufe der Jahre zu einem wichtigen Gesch\u00e4ftsfeld des Unternehmens mit seinen 30 bis 40 Mitarbeitern. F\u00fcr die Installation fuhren Mitarbeiter in die Lager. Die Arbeiten dort mussten von H\u00e4ftlingen erbracht werden.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Historikerin Susanne Zielinski ist unstrittig, dass allen in der Firma bewusst war, um welche Art Arbeit es in dem Unternehmen ging: \u201eDass Monteure der Firma vor Ort mit Hilfe von Gefangenen aus den Lagern die Kori\u2019schen \u00d6fen installierten und von der SS auch vorab Firmenmitarbeiter angefordert wurden, die die Orte der Bauprojekte besichtigen sollten, l\u00e4sst keinen Zweifel daran, dass alle beteiligten Personen wussten, worum es hier ging: die systematische Ermordung von Menschen und die spurlose Beseitigung ihrer Leichname.\u201c F\u00fcr sie steht fest, dass der erste systematische Massenmord im Nationalsozialismus, die T\u00f6tung von Menschen mit geistiger und k\u00f6rperlicher Behinderung oder psychischer Beeintr\u00e4chtigung, ohne die Bereitschaft der Firmen Kori GmbH und \u201eTopf &amp; S\u00f6hne\u201c (Erfurt), Leichenverbrennungs\u00f6fen in T\u00f6tungsanstalten zu liefern, nicht h\u00e4tte organisiert werden k\u00f6nnen. Das Personal, das in den T\u00f6tungsanstalten sein \u201eHandwerk\u201c der massenhaften Leichenentsorgung gelernt hatte, wurde sp\u00e4ter oft bef\u00f6rdert und durfte sein \u201eFachwissen\u201c in die gro\u00dfen Vernichtungslager im Osten einbringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Nachkomme des Firmengr\u00fcnders Heinrich Kori ist laut Historikerin Annegret Sch\u00fcle zu keiner Auskunft in der Angelegenheit bereit. Die Sch\u00f6neberger Bezirksverordnetenversammlung beschloss 2019 auf Initiative der Gr\u00fcnen, dass in der Dennewitzstra\u00dfe wenigstens eine Mahntafel angebracht werden sollte, um an die Rolle des Unternehmens in der Nazizeit zu erinnern.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ofenbau-Firmen Kori und \u201eTopf &amp; S\u00f6hne\u201c waren schon vor der NS-Zeit Konkurrenten beim Gesch\u00e4ft mit Bestattungs\u00f6fen f\u00fcr st\u00e4dtische Krematorien gewesen, aber ab 1939 wetteiferten ihre Ingenieure darum, ihre speziell f\u00fcr die Opfer der \u201eEuthanasie\u201c und der Lager entwickelten \u00d6fen an die \u201eT4\u201c-Zentrale und an die SS zu verkaufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Immerhin wurde in Erfurt der Erinnerungsort \u201eTopf &amp; S\u00f6hne\u201c \u2013 Die Ofenbauer von Auschwitz\u201c geschaffen, wo \u00fcber die Verwicklung der Firma in NS-Gesch\u00e4fte aufgekl\u00e4rt wird und themenbezogene Ausstellungen und Seminare stattfinden. 1942 hatte einer ihrer Ingenieure ohne jeden Auftrag einen vierst\u00f6ckigen Massen-Verbrennungsofen entworfen. Wie in einer riesigen M\u00fcllverbrennungsanlage sollten die Leichen wie am Flie\u00dfband hineingeschoben werden und auf Schr\u00e4grosten herabrutschen. Es sei ihm bewusst, schrieb der Ingenieur an die Gesch\u00e4ftsleitung, &#8222;dass ein solcher Ofen als reine Vernichtungsvorrichtung anzusehen ist, dass also die Begriffe Piet\u00e4t, Aschetrennung sowie jegliche Gef\u00fchlsmomente vollst\u00e4ndig ausgeschaltet werden m\u00fcssen&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>(Die beschlossene Gedenktafel in der Dennewitzstra\u00dfe wurde bis zum heutigen Tage nicht angebracht. Das B\u00fcro des Bezirksb\u00fcrgermeisters teilt auf Anfrage mit, dass der Auftrag f\u00fcr die Herstellung der Tafel bereits erteilt worden sei. Mit einer Enth\u00fcllung rechne man im ersten Quartal 2026. Die AG \u201eErinnerungsort Gleis 1\u201c werde f\u00fcr diesen Anlass eine Einladung zur Teilnahme erhalten.)<\/p>\n\n\n\n<p>Norbert Peters<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Umfeld unserer M\u00f6ckernkiez-Genossenschaft lebten in fr\u00fcheren Zeiten nicht nur namhafte Pers\u00f6nlichkeiten, an die erinnert werden sollte. Auch historisch bedeutsame Orte sind hier zu finden, zum Beispiel in der Sch\u00f6neberger Dennewitzstra\u00dfe. Die Dennewitzstra\u00dfe am Gleisdreieckpark ist nicht weit vom M\u00f6ckernkiez entfernt. Viele moderne Wohnh\u00e4user sind dort zu sehen. 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