Der Mann, der Hitler Hausverbot erteilte – oder auch nicht?
Im Umfeld unserer Möckernkiez-Genossenschaft gibt es Orte und namhafte Persönlichkeiten, an die erinnert werden sollte. Zu ihnen gehört der Geschäftsmann Curt Elschner, der am Anhalter Bahnhof das Luxushotel Excelsior führte.
Curt Elschner (1876-1963) war ein deutscher Gastronom und Hotelier, der in verschiedenen Städten mit großem Erfolg Hotels und Restaurants betrieb. Elschner trug den Ehrentitel Geheimer Kommerzienrat und erhielt die Ehrenbürgerwürde mehrerer Städte, darunter Eisenach und Würzburg. Zum Dank dafür förderte er verschiedene soziale Einrichtungen und stiftete großzügige Gemäldesammlungen.
Elschner stammte aus Thüringen. Nach Kellnerlehre und Militärdienst nahm er mehrere Anstellungen in der Gastronomie und Hotellerie an, u. a. in Hamburg, Göttingen, Frankfurt/M. und Düsseldorf. 1903 wurde er in Sachsen erstmals Hotel-Eigentümer. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Elschner Geschäftspartner des Großindustriellen Hugo Stinnes und erwarb in dessen Auftrag u. a. das Berliner Luxushotel „Esplanade“.
1919 bot sich ihm die Gelegenheit, das Hotel Excelsior gegenüber dem Anhalter Bahnhof in Berlin zu übernehmen, das er in den Folgejahren aufwändig ausbaute. Das von 1905 bis 1907 errichtete Gebäude in der heutigen Stresemannstraße (vorher: Königgrätzer-, in der NS-Zeit Saarlandstraße) mit zunächst 200 Zimmern wurde in den 20er Jahren das größte Hotel der Stadt und des Kontinents mit eigenem Kraft- und Wasserwerk sowie einer Gasheizanlage. Nach und nach kamen das noble Excelsiorbad, ein Bierkeller mit 1500 Plätzen sowie ein Fußgängertunnel zum Anhalter Bahnhof mit Fahrstühlen und Treppen direkt zum Bahnsteig hinzu. (Für die Genehmigung des Tunnelbaus soll Elschner Gerüchten zufolge großzügig „gespendet“ haben.) Dienstleistungen wie der Erwerb von Flug-, Bahn- und Schiffskarten gehörten zum Hotelstandard. Die beliebte Jazz-Kapelle musste auf Druck der Nationalsozialisten allerdings abgeschafft werden. Elschners bekannte Vorliebe für die demokratische Weimarer Republik und seine unternehmerische Freiheit waren der Partei ohnehin ein Dorn im Auge.
Zu Elschners Ruf als Unternehmer mit Distanz zum Nationalsozialismus passte es, dass der Boxchampion Max Schmeling (der sich ebenfalls der NSDAP verweigerte) gezielt das Hotel Excelsior nutzte. Während der Pogromnacht am 09.11.1938 versteckte er in seiner Suite die jüdischen Brüder Lewin. Am Empfang hinterließ er die Nachricht, er sei krank und möchte nicht gestört werden. Später half Schmeling den Brüdern, das Land in die USA zu verlassen.
Im Jahr 1928 soll Elschner dem NSDAP-Vorsitzenden Adolf Hitler bei einem Berlin-Besuch kein Zimmer im Hotel Excelsior vermietet haben. Dies führte in den 1930er Jahren dazu, dass SS-Angehörigen und später allen NSDAP-Mitgliedern der Besuch des Hauses untersagt wurde. Als ein bestelltes Inserat mit Werbung für das Hotel im SS-Blatt „Das Schwarze Korps“ nicht wie gewohnt erschienen war, ließ Elschner in einem Schreiben an die obersten Staats- und Parteibehörden des Dritten Reiches mitteilen, dass er schon vor der Machtübernahme „judenfeindlich eingestellt“ gewesen sei. Auch habe das Excelsior als „erstes größeres gastronomisches Unternehmen“ die Schilder „Juden unerwünscht“ angebracht. Er unternahm immer wieder den vergeblichen Versuch, das geschäftsschädigende Hausverbot aufheben zu lassen:
„Ich erkläre an Eidesstatt, dass mir weder selbst noch durch Hörensagen bekannt ist, dass unser Führer im Hotel Excelsior gewohnt hat oder ihm die Aufnahme verweigert worden wäre.“ Schließlich wandte er sich sogar persönlich an Hitler: „Mein Führer! Ich bitte nun auf diesem Wege ganz gehorsamst, die über mein Haus und mich verhängte Lokal-Besuchssperre (…) aufheben zu lassen.“ SS-Chef Himmler lehnte Elschners Anliegen jedoch kategorisch ab: „Es ist mir erst heute möglich, (…) Ihnen mitzuteilen, dass ich mein Verbot nicht aufzuheben vermag.“ Als Grund führte der Reichsführer SS an: „Die Tatsache, dass der Führer die Aufnahme in Ihrem Hotel verweigert worden ist, geben Sie zu. Es erübrigt sich, im Einzelnen festzustellen, ob Sie von diesem Vorfall Kenntnis erlangt haben.“ Nicht nur allen Parteimitgliedern und SS-Angehörigen, auch der Polizei sei nunmehr der Aufenthalt im Hotel Excelsior strengstens untersagt.
Elschner zog sich kurze Zeit später unter nicht geklärten Umständen aus Berlin zurück und überließ das Excelsior der Leitung seiner Direktoren. Er übernahm persönlich sein zweites Hotel auf der Wartburg in Eisenach. Über eine eventuelle Aufhebung des „Parteiverbots“ gibt es keine Nachricht.
Das Excelsior brannte bei den Endkämpfen um Berlin aus. Einige Jahre nach Kriegsende zog Curt Elschner wieder von Eisenach nach Berlin, erhielt die Ruine zurück und ließ das Grundstück enttrümmern. Eine Wiedererrichtung des Hotels am Todesstreifen zwischen West- und Ost-Berlin kam für Elsner jedoch nicht infrage, weil ihm das unrentabel erschien. Der Name „Excelsior“ wurde auf ein Hochhaus am selben Ort übertragen, ein neues Hotel dieses Namens entstand in der Hardenbergstraße.
Unter welchen Umständen und wann genau Hitler Hausverbot erhielt, lässt sich nicht eindeutig klären. Es steht zu vermuten, dass Hitlers rüdes Auftreten und das seiner Anhänger im vornehmen Hotel Excelsior seinerzeit nicht erwünscht waren, auch weil Gäste sich beschwert hatten. Elschners unterwürfige Schreiben an die NS-Führung waren wohl nicht Ausdruck seiner wahren Gesinnung. Recherchen in der NSDAP-Mitgliederkartei ergaben zudem, dass Elschner niemals Parteimitglied war.
Curt Elschner starb 1963 in Erfurt, drei Jahre nach dem Tod seiner aus Braunschweig stammenden Frau Berta, die er 1903 geheiratet hatte.
Norbert Peters