Erneute Stolpersteinverlegung in der Yorckstraße

Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig, das seit Jahr 1992 existiert und laufend

fortgeführt wird. Mit ihnen wird an das Schicksal von Menschen erinnert, die in der NS-Zeit verfolgt,

ermordet, ins Exil oder den Suizid getrieben wurden. 126.000 dieser kleinen Denkmäler wurden von

Demnig und seinen Helfern bisher in 32 Ländern verlegt (zuletzt auch in Andorra), in der Regel vor

den letzten frei gewählten Wohnhäusern der Opfer. Sie sind auf Fußwegen eingelassen, klein,

unscheinbar und manchmal verwittert. Um sie zu entziffern, müssen Betrachter sich (ver)beugen oder

in die Knie gehen – ein von Demnig durchaus beabsichtigter Effekt.

Der Künstler war vor Ort (s. Foto), als am 7. Mai auch in unserem Wohnumfeld wieder Stolpersteine

verlegt wurden, diesmal in der Yorckstraße 86, wo einst die jüdische Familie Lessler zu Hause war:

Pauline, Ellen, Norbert, Else und Steffi. Seit 1932 bewohnte die Familie eine 4-Zimmer-Wohnung in

der zweiten Etage des Hauses Nr. 86. Eine Familienangehörige konnte noch vor Kriegsbeginn über

Italien in die USA auswandern. Eine in den USA lebende Verwandte (s. Foto) berichtete anlässlich der

Stolpersteinverlegung davon, dass das Thema der Vertreibung und Ermordung von Angehörigen in

der NS-Zeit jahrzehntelang ein familiäres Tabu war. Sie bedankte sich herzlich bei Gunter Demnig für

die Gelegenheit, an diesem Tag Abschied von ihren Vorfahren zu nehmen.

Der Jurist Dr. Norbert Lessler, seine Frau Else und die 5-jährige Steffi sowie Norberts Schwester Ellen

wurden am 3. März 1943 mit dem „33. Osttransport“ nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Norberts Mutter Pauline Lessler, Jahrgang 1873, wurde am 17. März 1943 mit einem „Alterstransport“

in das Ghettolager Theresienstadt verschleppt, wo sie am 20. April 1944 ums Leben kam.

Pikanterweise befand sich in der Yorckstraße 90, direkt neben dem damaligen Wohnhaus der Lesslers,

das Lokal „Zum Reichskanzler“, wo am 19.11.1922 die erste Berliner NSDAP-Ortsgruppe gegründet

wurde. Die Gaststätte, ein typisches „Sturmlokal“, diente der SA als Versammlungsort, von dem aus

Überfälle auf politische Gegner und jüdische Mitbürger verübt wurden.

Text: Norbert Peters

Fotos: Stefanie Elmendorff/Norbert Peters

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