
Sie sind eigentlich unübersehbar – meterlange Plakate unter den Yorckbrücken, mit denen an die Deportationen vom Anhalter Bahnhof in das Ghettolager Theresienstadt von 1942 bis 1945 erinnert wird. Dass diese fünf Plakate unter den Yorckbrücken „im Dunklen“ angebracht wurden und man ein zweites Mal hinschauen muss, um ihre Botschaft voll zu erfassen, passt genau in das Kalkül der Initiator:innen, die Denkanstöße geben wollen.
Es sind Jugendliche des Robert-Blum-Gymnasiums, die mit dieser Aktion die Ergebnisse eines einjährigen Projekts zur NS-Geschichte des Parks am Gleisdreieck präsentieren und ein Zeichen „Gegen das Vergessen“ setzen wollen.
Zu den weiteren Aktivitäten dieses Schulprojekts zur NS-Geschichte in unserem Umfeld gehört die Anbringung einer Gedenktafel an einem Geländer im Gleisdreieckpark, mit dem auf die Beteiligung und Verantwortung der Deutschen Reichsbahn bei den Transporten in die KZs und Vernichtungslager aufmerksam gemacht wird. Das Projekt „Wohin führen diese Gleise?!“ wurde im Rahmen des Programms „MemoRails – Halt! Hier wird an NS-Geschichte erinnert“ von dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft gefördert.
Zum Abschluss ihrer Projektarbeit stellten die Jugendlichen im Jugend Museum Schöneberg ihre Arbeitsergebnisse in einer Werkschau vor – Videos, Infotafeln, Interviews sowie einen selbst produzierten Song, der dazu aufruft, NS-Unrecht in Erinnerung zu behalten und gegen ähnliche Tendenzen in Gegenwart und Zukunft einzutreten.
Die fachliche Beratung der Schöneberger Schülerinnen und Schüler erfolgte durch Olof Hansen und Norbert Peters von der Möckernkiez-AG Erinnerungsort Gleis 1, die das Engagement dieser jungen Menschen zur historischen Aufklärung sehr zu würdigen wissen. Ihre Informationen zum Komplex Anhalter Bahnhof als Deportationsbahnhof sind in der Ausstellung im Jugend Museum Schöneberg (Hauptstraße 40–42, 10827) Berlin per Video abrufbar, leider aber nur noch bis zum 12. Juli 2026.
Text: Norbert Peters Foto: Christa Donner