Die Möckernkiez-AG Erinnerung Gleis 1, die sich seit Jahren mit der Geschichte der sogenannten Alterstransporte vom Anhalter Bahnhof nach Theresienstadt 1942 bis 1945 und anderen Aspekten der NS-Geschichte beschäftigt, wird auch in diesem Jahr wieder die Reinigung von Stolpersteinen im Umfeld unseres Wohngeländes vornehmen. Anlass ist der Jahrestag der Reichspogromnacht vom 9. November 1938, in der in Deutschland 1.400 Synagogen und jüdische Versammlungsräume in Brand gesetzt oder verwüstet sowie Tausende jüdische Geschäfte, Wohnungen und Friedhöfe zerstört wurden. Historiker gehen von 1.000 bis 2.000 Todesopfern aus. Etwa 30.000 jüdische Männer wurden verhaftet und in Konzentrationslager verschleppt. Der jüdischen Gemeinschaft wurde eine kollektive „Strafzahlung“ von einer Milliarde Reichsmark auferlegt, für die Reparaturen der zerstörten Gebäude mussten die Eigentümer selbst aufkommen.
Anders als in den Jahren davor sind die zu reinigenden, in das Pflaster eingelassenen kleinen Denkmäler für die Opfer von Verfolgung und Ermordung diesmal nicht in der Yorck- und der Hornstraße, sondern jene im Straßenzug Obentraut-, Großbeeren-, Hagelberger und Möckernstraße. An allen Stationen werden Informationen zu den Lebens- und Todesumständen jener Menschen erteilt, an die mit den dort verlegten Stolpersteinen erinnert werden soll. Über 1200 Stolpersteine wurden bisher in Friedrichshain-Kreuzberg verlegt, europaweit bereits über 116000.
Die AG Erinnerung Gleis 1 erhielt für ihr Engagement in diesem Jahr vom Verband „Der Paritätische Berlin“ Fördermittel zur Verfügung gestellt, mit denen die benötigten Reinigungsmittel erworben werden konnten.
Wer sich an der Reinigungsaktion beteiligen möchte, sollte sich am 9. November um 16 Uhr vor dem „Möca“ einfinden. Putzmittel und Wasser werden gestellt.
Anmeldungen unter nopeters@posteo.de
Text und Foto: Norbert Peters