The logistics of the Holocaust

Text von Susanne Zeller aus GO3

Erinnern, Reflektieren, Verantwortung übernehmen.
„The Logistics of the Holocaust – How can museums present Holocaust deportations today?“
International Symposium at the German Museum of Technology Berlin.

Im Berliner Technik Museum fand in englischer Sprache am 28. September ein international besetztes Symposium statt. Die Beiträge der Fachreferent:innen aus Polen, England, den Niederlanden, Deutschland und dem Nürnberger „DB-Museum“, in dem es eine Ausstellung über die Geschichte der Deutschen Reichsbahn gibt, befassten sich zum einen mit der transporttechnischen Logistik der Shoa und zum anderen mit der Frage, wie in Museen der NS-Gedenkstätten die Deportationen/Verschleppungen von meist jüdischen Opfern in „Sonderzügen“/Viehwagons mit ihren „Reise“ Zielen“ in die vom NS-Regime errichteten Arbeits- und Vernichtungslager überhaupt darstellbar ist.
Die historische Aufbereitung und Darstellung des Geschehenen ist eine immer komplexer werdende didaktische und methodische Aufgabe heutiger Shoa-Gedenkstätten und Orte und dies vor der Tatsache, dass es kaum noch Zeitzeug:innen gibt. Diese schwierigen Herausforderungen wurden durch die Berichte der Mitarbeiter:innen und Leiter:innen der NS-Gedenkstätten in Majdanek, Sobibor und im Anne Frank Museum Amsterdam deutlich.
Das Wissen über den Völkermord an den europäischen Juden im Zweiten Weltkrieg – die Shoa – füllt seit Jahrzehnten Bibliotheken. Auch über die Logistik der Todeszüge und die Mordprogramme, wobei hier nicht die etwa halbe Million ermordeter Sinti und Roma vergessen werden darf, ist inzwischen viel geforscht worden. Was hat sich aber während der Transporte innerhalb der Todeszüge bei den Verschleppungen in die Arbeits- und Vernichtungslager an menschlichen Dramen abgespielt? Darüber gibt es verständlicherweise nur relativ wenige Berichte von Zeitzeug:innen, die die Transporte und Konzentrationslager überhaupt überlebt haben.
Forschung und Museen müssen sich manchmal „nur“ mit den erhalten gebliebenen Fotographien „zufrieden geben“, die entweder mit offizieller Erlaubnis der Mörder oder mitunter auch heimlich an den Bahngleisen und Rampen entstanden sind. Aus Geschichtsbüchern und den heutigen NS-Gedenkstätten kennen wir manche Archivfotos. Die Geschichtswissenschaft interessiert dabei aber oft viel weniger das, was auf den, zunächst eher „harmlos“ wirkenden, Schwarz-Weiß- Fotos zu sehen ist, Bahngleise, Bahnsteige und Menschen an ihren Gepäckstücken stehend. Historisch interessanter ist vielmehr, was nicht zu sehen, bzw. sichtbar ist. Was wollten die Mörder verheimlichen, um es später leugnen zu können? Was bedeuten am Rand noch erkennbare Personen im Halbprofil mit Aktentaschen, Uniformen, Arztkitteln etc.? Und was haben die Fotographierenden dabei empfunden?

Die NS-Gedenkstätten sind mit Besucher:innen aus allen Nationen und Altersstufen konfrontiert und zunehmend auch mit viel Unwissen über Ablauf, rassenhygienischen Zielen und (verwaltungs)technischer Logistik eines in der Menschheitsgeschichte singulären Völkermordes. Und sie müssen sich auch mit dem zunehmenden „Überdruss“ gerade auch jüngerer Jahrgänge befassen, die sich mit dieser Geschichte eigentlich gar nicht mehr intensiv beschäftigen zu wollen.

Erinnern, Reflektieren, Verantwortung übernehmen: es bleiben nach wie vor immer neue Herausforderungen und unbeantwortete Fragen an unsere deutsche Geschichte zwischen 1933 bis 1945.

Susanne Zeller (2.10.26)

Zwei einmal ganz andere Perspektiven auf das Gelände am Gleisdreieck Park vom 3. Stock des Technik Museums aus gesehen. (Fotos privat: Susanne Zeller 28.9.26.)