Am 12. Dezember 2025, dem 81. Todestag von Regina Jonas, wurde in einer feierlichen Veranstaltung am Kreuzberger Fraenkelufer die Kohlfurter Straße in Regina-Jonas-Straße umbenannt. Die dort befindliche heutige „Synagoge Fraenkelufer“ wurde in der Pogromnacht 1938 und 1943 durch Bombenangriffe erneut schwer beschädigt. Ab 1945 wurde sie schrittweise wieder aufgebaut, allerdings nur der ehemalige Seitenflügel.
Regina Jonas (geb. 1902), die 1935 zur weltweit ersten Rabbinerin ordiniert wurde; war unter anderem an diesem Ort in Berlin-Kreuzberg tätig. Ab Anfang 1942 musste sie in Berlin Zwangsarbeit leisten, bevor sie im November 1942 vom Anhalter Bahnhof aus in das Ghettolager Theresienstadt deportiert wurde. Auch dort leistete sie seelsorgerische Arbeit und hielt Predigten für Gefangene. Am 12. Oktober 1944 wurde sie ins KZ nach Auschwitz-Birkenau deportiert und am 12. Dezember 1944 ermordet.
Die Bezirksverordnetenversammlung von Friedrichshain-Kreuzberg beschloss 2023, 10 Jahre, nachdem die Anregung dazu zum ersten Mal vorgebracht worden war, eine Straße nach Regina Jonas zu benennen. Dafür wurde nach einer Anwohnerbefragung die Kohlfurter Straße ausgewählt, gelegen zwischen der Uferstraße am Landwehrkanal und der Kottbusser Straße.
Kohlfurt ist laut Kreuzberger Chronik ein Ort, der in der früheren deutschen Provinz Niederschlesien lag und heute Wigliniec heißt. Bedeutend war er nur wegen seines Bahnhofs, von dem aus seit dem 19. Jahrhundert Lausitzer Braunkohle nach Berlin transportiert wurde. In den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde in Berlin und darüber hinaus die Kohlfurter Straße bekannt durch das Künstlerlokal „Kleine Weltlaterne“, „das internationalen Ruf genoss und Bühnenstars wie Curd Jürgens und Hildegard Knef, Autoren wie Henry Miller und Günter Grass oder Künstler wie Hundertwasser anzog.“ (Lokalhistoriker Werner von Westhafen, 2014)
Regina Jonas, die sich Zeit ihres Lebens für Geschlechtergerechtigkeit auch im seelsorgerischen Bereich einsetzte, studierte an der liberalen „Hochschule für die Wissenschaft des Judentums“ in Berlin mit dem erklärten Ziel, die Ordination zur Rabbinerin zu erreichen – ein damals revolutionäres Vorhaben. Im Juli 1930 legte sie ihre mündliche Prüfung als Religionslehrerin ab. Einer der Prüfer war Leo Baeck, der wichtigste Repräsentant des deutschen Judentums. Regina Jonas´ schriftliche Abschlussarbeit trug den provozierend-programmatischen Titel: „Kann die Frau das rabbinische Amt bekleiden?“ Ihre Antwort auf diese Frage formulierte sie später in der markanten Aussage: „Ich kam zu meinem Beruf aus dem religiösen Gefühl, dass Gott keinen Menschen unterdrückt, dass also der Mann nicht die Frau beherrscht“.
Die Deportation der Regina Jonas am 6. November 1942 erfolgte laut Datenbank Yad Vashem zusammen mit 55 weiteren Frauen und 44 Männern. Unter den Deportierten befand sich ein Baby. Das älteste Opfer war 83 Jahre alt. Nur sechs der Deportierten überlebten. Regina Jonas gehörte nicht zu ihnen.
Text und Foto: Norbert Peters