Die „Wir-haben-es-satt-Demo“ für eine zukunftsfähige Landwirtschaft startet in das Jahr 2026 am 17. Januar ab 12 Uhr am Brandenburger Tor.
Anschließend ab 15.30 das „Fest der Agrarwende“ in der Heinrich-Böll-Stiftung.
Wer möchte kann den Brief von Brandenburger Gärtner und Bauern an die Initiatoren der 4000 t Aktion unterstützen…
Sehr geehrte Damen und Herren,
wir wenden uns als Gruppe von Landwirt_innen und Gärtner_innen aus Brandenburg an Sie, um Rückmeldung zur aktuellen Kartoffel-Aktion in Berlin zu geben, die von Ecosia organisiert und medial begleitet wurde.
Zunächst möchten wir anerkennen, dass Sie mit dieser Aktion ein wichtiges Thema sichtbar machen: Überproduktion ist real, schmerzhaft und strukturell. Dass Lebensmittel im Überfluss vorhanden sind und gleichzeitig ihr Wert schwindet, ist ein zentrales Problem unseres Ernährungssystems. Diese Aufmerksamkeit ist wichtig.
Gleichzeitig möchten wir einige Aspekte benennen, die aus unserer Perspektive in der öffentlichen Darstellung bislang zu wenig Raum bekommen.
Die 4.000 Tonnen Kartoffeln stammen von einer großflächig wirtschaftenden Holding aus Sachsen. Diese Menge übersteigt deutlich das, was regionale Absatzkanäle – etwa der Naturkost-Fachhandel in Berlin – in einem Jahr aufnehmen können. In einer Situation, in der die Kartoffellager rund um Berlin ohnehin voll sind, hat diese Aktion direkte Auswirkungen auf kleinere Betriebe in der Region.
Für einige von uns bedeutet sie ganz konkret:
– dass Direktvermarktung kurzfristig zusammenbricht, weil „kostenlose“ Ware den Markt faktisch verdrängt
– dass Kartoffeln, die auf dem Acker oder im Lager liegen, nicht mehr verkauft werden können
– dass Überschüsse im besten Fall verfüttert werden, im schlechteren Fall entsorgt werden müssen
Das Wort „verschenken“ greift aus unserer Sicht zu kurz. Die Kartoffeln sind produziert, transportiert, bezahlt – und werden nun medienwirksam abgegeben. Für kleinere Produzent:innen, die mit knappen Margen arbeiten und regional vermarkten, entsteht dadurch ein zusätzlicher Druck, ohne dass sie Teil der Erzählung oder der Lösung sind.
Uns ist wichtig zu betonen: Die Mechanismen, die zu Überproduktion führen, sind nicht allein „der Markt“. Sie entstehen durch politische Rahmenbedingungen, Flächenkonzentration, Skaleneffekte und Machtungleichgewichte entlang der Wertschöpfungskette. Wenn Überproduktion sichtbar gemacht wird, sollten diese Ursachen mit benannt werden – ebenso wie die sehr unterschiedlichen Ausgangsbedingungen großer Agrarunternehmen und kleiner, regionaler Betriebe.
Einige von uns fanden die Aktion daher nicht hilfreich, sondern problematisch. Andere sehen sie ambivalent. Was uns eint, ist der Wunsch, dass solche Kampagnen künftig nicht über die regionalen Produzent:innen hinweg, sondern mit ihnen gedacht werden.
Wir schreiben Ihnen, weil wir glauben, dass unsere Stimmen Teil dieser Debatte sein sollten. Aufmerksamkeit ist wichtig – aber sie braucht Kontext, Differenzierung und die Einbindung derjenigen, die die Folgen solcher Aktionen unmittelbar tragen.
Mit freundlichen Grüßen,
Zusatzinfo aus der lokalen Presse:
https://taz.de/4000-Tonnen-geschenkte-Kartoffeln/!6146002
https://taz.de/Kartoffeln-in-Berlin/!6146026/
Wer Teil der solidarischen Versorgung durch die reginale und saisonale Landwirdschaft sein möchte schliesst sich am besten einer der vielen Solawis rund um Berlin an. Wird weniger erzeugt kann nur weniger verteilt werden. Wird in der Regel durch andere Gemüse ausgeglichen. ‚Wächst‘ mehr gibt es mehr, wie in diesem Jahr eben Kartoffeln. Der Verfasser wird dieses Jahr bei jeder Lieferung mit 3 kg Kartoffeln bedacht. Faktor 4 heisst die vierfache Menge Kartoffeln essen und weniger Schnitzel.
Wie funktioniert ein Einstieg? Blick in diese Bieterrunde 😉
https://www.youtube.com/watch?v=3GLORPfRQa8
bg / wd