Matinee mit Shelly Kupferberg

Matinee im Möckernkiez – eine wahrhaft heiße Veranstaltung im Forum am 28. Juni 2026
Vor einigen Wochen machte eine Mitbewohnerin auf den kürzlich erschienenen Roman „Stunden wie Tage“ von Shelly Kupferberg aufmerksam, der vom Thema her doch perfekt zu den bisherigen Veranstaltungen der AG Erinnerung Gleis 1 passe – den Spuren der NS-Vergangenheit in unserem Umfeld. Norbert Peters nahm daher Kontakt zur Autorin auf, die sich gern zu einer Vorstellung ihres Werkes im Möckernkiez bereit erklärte. Die AG Kultur bekundete ebenfalls Interesse und beteiligte sich an der Organisation dieser Veranstaltung.
Als Problem erwies sich dabei die Terminfrage, denn Frau Kupferberg ist vielgefragt – neben Lesungen moderiert sie Diskussionsrunden, führt Interviews durch und hat Auftritte in Rundfunk und Fernsehen. Letztlich war nur eine literarische Matinee, d. h. eine Vormittagsveranstaltung möglich. Und gerade das erwies sich im Nachhinein als großes Glück. Ein Nachmittagstermin bei rund 40 Grad im Schatten wäre unzumutbar gewesen.
Heidi Trull für die AG Kultur und Norbert Peters für die AG Erinnerung Gleis 1 freuten sich über die Teilnahme von mehr als 40 Gästen im einigermaßen durchlüfteten Forum des Möckernkiezes. Sie wiesen darauf hin, dass Shelly Kupferbergs Romane „Isidor“ und „Stunden wie Tage“ sich genau an der Schnittstelle zwischen Belletristik und Geschichtsdarstellung bewegten und gerade deshalb großer Nachfrage erfreuten.
Frau Kupferberg begnügte sich nicht damit, einige Seiten aus „Stunden wie Tage“ zu lesen. Sie erklärte vor allem die Entstehungsgeschichte des Romans. Dem konzentriert lauschenden Publikum im Forum beschrieb die Schriftstellerin ihre Vorbereitungen zum Verfassen von Texten: Intensive Materialsuche, auch und gerade von zunächst unwichtig erscheinenden Gegenständen, Texten, Urkunden, Fotos oder Briefen; Sichtung und Auswertung von Archivbeständen; Befragung von Zeitzeugen; Aufsuchen von authentischen Orten … Die Ergebnisse dieser fast detektivischen Recherche schufen die Basis für das literarische Produkt.
Abschließend zeigte Frau Kupferberg einige alte Aufnahmen aus Schöneberg – Gebäude, Hinterhöfe, Straßen, Plätze -, die das historische Umfeld des Romans visuell erfassbar machten. Die Autorin erhielt für ihren ausgesprochen lebhaft und in anschaulicher Weise vorgetragenen Beitrag, der fast den Charakter einer „Performance“ hatte, jenen verdienten „heißen“ Beifall, der zu den Außentemperaturen passte.
Gegen Ende des Vormittags wurde von der Möglichkeit, die von der Kreuzberger Buchhandlung „Anagramm“ vorrätig gehaltenen Romane Shelly Kupferbergs zu kaufen und diese gleich von der Autorin signieren zu lassen, kräftig Gebrauch gemacht.
Der Ausklang der Veranstaltung fand im „Möca“ statt bei Gesprächen und kalten Getränken. Heidi Trull und Norbert Peters bedankten sich im Namen ihrer AGs für die Unterstützung durch viele helfende Hände bei diesem von allen Seiten hochgelobten Kulturerlebnis im Möckernkiez.
Text: Heidi Trull/Norbert Peters
Foto: Brigitte Mohnkorn