Gundalena von Weizsäcker geb. Wille – Ein Leben im 20. Jahrhundert. D 2009, 90 Minuten


Termin Details


Im Forum im Möca, Möckernkiez 2, nicht Möckernstraße 2

Eintritt frei – Spende erbeten – Einlaß 17.50 Uhr

Ein Film von Elisabeth Raiser u. Barbara Robra, 2009, 90 Minuten, alle Rechte bei Elisabeth Raiser und Barbara Robra

Frau Raiser wird anwesend sein und einige einleitende Worte sprechen und nach dem Film für eine Diskussion und Fragen zur Verfügung stehen

„Trotz ihrer Distanz zu sich war Mama schwerlebig. Sie nahm das Leben und die Menschen sehr ernst. Sie konnte sich nicht leicht ‚hinwegsetzen‘ … Sie war im Grund ihres Wesens aristokratisch, hatte viel Sinn für Tradition, für Hierarchie, für sich jeweils Ziemendes.“

So zeichnet Gundi – Gundalena von Weizsäcker, geborene Wille, ihre Mutter. Die war wichtig für sie, aber vor allem, sagt ihr Bruder Jürg, war sie eine Vatertochter. Der „stramme, ehrgeizige, elegante Militär“ hatte bereits zwei Töchter, als Gundalena auf die Welt kam. Und weil jedermann einen Sohn erwartet hatte und viele „mehr oder weniger Kondolenzbriefe“ zur Geburt der dritten Tochter geschickt hatten, „hat der Papa sehr eindeutig Gundi als seinen Liebling deklariert und demonstrativ auch gezeigt“.

Die Lebensgeschichte

Gundalena wächst in einem liberalen Elternhaus auf. Dort „wurde gern ein bisschen gelästert“. Und „man spielte leidenschaftlich und gut Karten“. Und war politisch sehr interessiert. Nicht von ungefähr studiert Gundalena Geschichte, schließt 1932 in Zürich mit einer Promotion ab. Sie geht als freie Journalistin nach Berlin, von wo aus sie über den Aufstieg des Nationalsozialismus berichtet – zunächst durchaus begeistert von der deutschen Wende und ihren Protagonisten. Hitler hatte sie schon Jahre zuvor im heimatlichen Wohnzimmer der Familie kennengelernt – und auch seine Rede im Reichstag im Mai 1933 hat ihr „ganz großen Eindruck gemacht“. Besonders packend findet sie es, „als zum Schluss die gesamten Abgeordneten bis zum letzten Sozi sich zustimmend er-heben“ und die Spannung sich „in tosendem Beifall und im Deutschlandlied“ löst.

Aber ihr entgeht auch nicht die beginnende „Judenhetze“, die sie zunehmend skeptisch gegenüber dem Regime und der NS-Ideologie macht. Entscheidend für die Ablehnung wird schließlich die Ermordung von Ernst Röhm, Stabschef der SA, und mit ihm weiterer SA-Funktionäre und unlieb-samer Politiker auf Betreiben Hitlers durch SS-Kommandos. Den letzten Anstoß, die Berichterstattung aus Berlin aufzugeben, gibt ein Verhör durch die Gestapo, aus dem sie allerdings unbeschadet herauskommt.

Zeitgleich vollzieht sich eine entscheidende Veränderung in Gundalena Willes Privatleben. 1933 hat sie in Bern ihre späteren Schwiegereltern, Marianne und Ernst v. Weizsäcker, und deren Kinder kennengelernt. 1937 heiratet sie den Physiker und Philosophen Carl Friedrich v. Weizsäcker und zieht mit ihm zurück nach Berlin. Gundalena gibt ihren Beruf auf und wird zu einer „politisch interessierten Hausfrau“ an der Seite ihres Mannes. 1938, 39, 40 bringt sie die Söhne Carl Christian und Ernst Ulrich und die Tochter Elisabeth zur Welt.

Kurz nach Kriegsende gelingt Gundalena die Ausreise in die Schweiz, wo sie mit den Kindern zunächst auch bleibt, als ihr Mann 1946 in Göttingen Abteilungsleiter im Max-Planck-Institut wird. Ab 1948 lebt die Familie wieder ständig zusammen. 1957 ziehen sie um nach Hamburg – Carl Friedrich hat einen Ruf auf den dortigen Lehrstuhl für Philosophie erhalten.

Anfang der 70er Jahre, die Kinder sind inzwischen selbst verheiratet und das erste von am Ende 16 Enkelkindern ist bereits geboren, siedeln Gundalena und Carl Friedrich ein letztes Mal um, ins bayrische Söcking. Das Haus dort und die Griesseralm in Osttirol, wo die Familie ab 1960 die Sommermonate verbringt, werden Gundalenas Lebensmittelpunkt – Treffpunkt für die Familie ebenso wie für viele Gäste, Freundinnen und Freunde. Im Februar 2000 stirbt Gundalena zuhause in Söcking.

Die Dokumentation

„Später, nach dem Tod von Carl Friedrich, wurde das Haus verkauft. Aber die Alm bleibt in der Familie, und meine Mutter ist dort noch immer gegenwärtig.“ Mit diesem Satz beendet Elisabeth Raiser, geb. v. Weizsäcker, die Dokumentation über das Leben ihrer Mutter Gundalena. Eigene Erinnerungen an die Mutter und Auszüge aus Briefen und Interviews dieser Frau werden aus unterschiedlichsten Blickwinkeln ergänzt. Angehörige – Geschwister und SchwägerInnen, Kinder und ihre EhepartnerInnen, Enkelkinder – kommen ebenso zu Wort wie Freundinnen und Freunde oder NachbarInnen. Themen, die im Leben Gundalena v. Weizsäckers und damit für die Dokumentation wichtig waren, reichen von Fragen der Erziehung und Ausbildung über das Frauenbild des 20. Jahrhunderts bis hin zu allen wichtigen politischen Ereignissen.

Neben den Erinnerungen verschiedener Menschen an Gundalena v. Weizsäcker, geb. Wille (und spätere „TvA“ – Tante von Affe; aber was es damit auf sich hat, wird hier noch nicht verraten …) und historischen Ereignissen umkreist die Dokumentation immer wieder auch das Thema Familie. Familie als Ort zuverlässiger Beheimatung und Geborgenheit – auch und gerade wenn Schicksalsschläge das Leben aus den Fugen heben. Familie als Kulturleistung, als bewusst und mit hohem Aufwand gestalteten Ort, an dem Menschen, die zusammengehören, sich immer wieder treffen, miteinander spielen, streiten, singen, beten, lesen, lachen, leiden. Familie als Ort, an dem Privates und Politisches sich verbinden. Vielfältig und unlösbar sind die Geschichte der Kriegs- und Nachkriegszeit und die Familiengeschichte der v. Weizsäckers miteinander verknüpft. Wer hat wann was gedacht, getan (oder nicht getan), welche Schlüsse und Konsequenzen daraus gezogen? Frühe oder spätere Einsicht in Schuld, Scheitern und Versagen wird nicht verdrängt oder verleugnet, sondern führt bei vielen der Familie direkt in gesellschaftliches und politisches Engagement. All dem spürt Elisabeth Raiser nach – im Fokus dabei immer die Frage „nach der Verquickung von politischen Ereignissen und privatem Leben; die Frage, wie meine Mutter ihr Leben in der Schweiz und in Deutschland im vergangenen Jahrhundert gestaltet hat.“

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Nach über 150 Filmabenden, an denen ich mitgewirkt habe, möchte ich ab Oktober pausieren und suche jemanden, die / der weitermacht: Dieter Wettig – 0160 9821 9818 – Dieter@Wettig.de