Clara und Karl Behrens

Im Umfeld unserer Möckernkiez-Genossenschaft lebten in früheren Zeiten namhafte Persönlichkeiten, an die erinnert werden sollte. Zu ihnen gehören Karl und Clara Behrens.

Karl und Clara Behrens im Widerstand gegen den Nationalsozialismus
Für Karl Behrens (1909 bis 1943) ist am Haus Möckernstraße 22/Ecke Yorckstraße eine Gedenktafel angebracht. Karl Behrens stammte aus einer Arbeiterfamilie und erlernte den Beruf des Schlossers. In der Möckernstraße lebte er bis 1932. Er leistete zunächst keinen Widerstand, war bis Ende 1931 sogar Mitglied der Hitlerjugend (HJ), der SA und der NSDAP (seit 1929).
Zusammen mit zwölf Freunden verließ er dann jedoch die HJ und wurde anschließend wegen parteiinterner Kritik aus SA und NSDAP ausgeschlossen. 1932 wurde er Mitglied der KPD. Als Abendgymnasiast lernte er den Juristen und Widerstandskämpfer Arvid Harnack kennen und blieb auch nach 1933 mit ihm in enger Verbindung. Ab 1938 arbeitete Behrens in der Berliner AEG-Turbinenfabrik und sammelte eine Gruppe oppositioneller Kollegen um sich. Er berichtete Harnack über Neuentwicklungen in seinem Betrieb.
Im Mai 1942 wurde Behrens zum Kriegsdienst eingezogen, im September 1942 festgenommen, am 19. Januar 1943 zum Tode verurteilt und am 13. Mai 1943 in Berlin-Plötzensee ermordet. Aus der Haft schrieb Karl seiner Frau Clara, genannt Cläre, mehrere Briefe, so im Januar 1943:
„Nach der Anklageschrift des Staatsanwaltes steht das Todesurteil fest. Doch diese Anklageschrift ist so gewaltsam konstruiert, so willig zusammengestellt, daß ich etwas Hoffnung habe, dagegen ankämpfen zu können. (…) So heißt es nun um das bißchen Leben kämpfen oder auf dem Schafott sterben.“ Ende Januar, nachdem das Todesurteil feststand: „Mein Anwalt. der mir zugeteilt war. hat nichts getan, mich auch nicht verteidigt …, die Urteile standen scheinbar vorher fest.“
Clara und Karl lebten zusammen in der Katzbachstraße. Sie hatten drei gemeinsame Kinder. Claras Name wird nicht auf der Tafel erwähnt. Sie wurde als Clara Sonnenschmidt am 18. August 1915 in der Schweiz geboren und war von Beruf Arbeiterin. 1937 zog sie nach Berlin und lernte Karl Behrens kennen. Bis 1941 war sie im Oberkommando des Heeres tätig. Sie nahm an Diskussionsabenden der von den Nazis so genannten Roten Kapelle teil und beteiligte sich an den Aktivitäten der Gruppe als Kurierin. Mehrfach fanden auch illegale Treffen in ihrer Wohnung in Kreuzberg statt. Nach der Verhaftung ihres Mannes 1942 wurde auch sie verhört, konnte ihre Tätigkeiten aber verschleiern.
Nach Kriegsende gründete sie in Kreuzberg einen antifaschistischen Frauenausschuss. Später zog sie in die Sowjetische Besatzungszone und arbeitete im Deutschen Demokratischen Frauenbund (DFD). Der DFD entwickelte sich zu einer Massenorganisation im Gefolge der SED. Er war mit den anderen Parteien und Massenorganisationen in der Nationalen Front vereinigt. Cläre Behrens starb am 7. März 1991 in Berlin.

Text und Foto: Norbert Peters