Hermann Hippmann – Stolperstein für ein „Euthanasie“-Opfer

Hermann Hippmann – Stolperstein für ein „Euthanasie“-Opfer

767 Stolpersteine für von den Nationalsozialisten verfolgte, ermordete, in den Tod getriebene und zum Verlassen ihrer Heimat gezwungene Menschen waren Ende des Jahres 2025 in Kreuzberg verlegt. Die Trägerschaft für die Verlegeaktionen haben die Bezirksämter Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg, die Finanzierung erfolgt durch den Berliner Senat. Die Koordinierung aller Maßnahmen liegt beim Verein Aktives Museum Faschismus und Widerstand in Berlin.

Seit dieser Woche hat sich die Zahl der in unserem Bezirk verlegten Stolpersteine um 20 erhöht, u. a. in der Blücherstraße und am Mehringdamm. Exemplarisch für die Opfer, an die mit der Verlegung eines dieser kleinen Gedenksteine erinnert wird, soll an dieser Stelle das Schicksal des Hermann Hippmann geschildert werden, dessen Stolperstein vor dem Haus Mehringdamm 62 zu finden ist, wo er bis zu seiner Einweisung in die Wittenauer Heilstätten lebte und eine Gaststätte betrieb. Die Recherche zu seinem Leben trug in einer kleinen Gedenkveranstaltung vor Ort eine seiner Nachkommen vor, Frau Linda Verdier, geb. Hippmann: 

Hermann Hippmann, Jahrgang 1882, wurde in Herford geboren und zog 1900 nach Berlin, wo er eine Anstellung als Pförtner beim Ullstein-Verlag fand. 1906 heirateten er und Anna Wiedemeyer. Das Paar hatte zwei Söhne, die 1907 und 1909 geboren wurden. Den Ersten Weltkrieg erlebte der Familienvater an der Westfront. Nach Kriegsende musste Hippmann häufig seine Arbeitsstelle wechseln. Er arbeitete bei der Post, als Kaufmann, Verwalter und Betreiber verschiedener Gastwirtschaften und Restaurants.

Über die Umstände seiner Einweisung in die Heilstätte in Reinickendorf und die Diagnose liegen keine Unterlagen vor. Möglicherweise hatte Hippmann sich bei seinem Kriegseinsatz eine dauerhafte Schädigung seiner Gesundheit zugezogen. 1930 wurde er in die Landesanstalt Neuruppin verlegt, wo er mehr als 10 Jahre verbrachte. Seine Ehe wurde 1939 geschieden. Als langjähriger Anstaltspatient wurde Hermann Hippmann 1940 im Rahmen der NS-“Euthanasie-Aktion T4“ erfasst und aufgrund seiner schweren Erkrankung als „unbrauchbar“ eingestuft. Damit wurde er Opfer der systematischen Massenermordungen von Kranken, Behinderten und sozial stigmatisierten Menschen während des Nationalsozialismus.

Am 23. Januar 1941 wurde Hermann Hippmann in die Tötungsanstalt Bernburg verschleppt und ermordet.

Text: Norbert Peters

Fotos: Karl Bubenheimer